Seit es den sowjetischen Kreml und die «Kreml-Astrologie» nicht mehr gibt, ist der Vatikan das letzte fantasieanregende Machtzentrum, das letzte grosse Geheimnis der Weltpolitik. Die Deutschen dachten bei allen Vatikan-Rätseln bislang an einen Landsmann, der für sie zum Inbegriff des Römischen geworden ist, im ungeliebten Sinne von Hierarchie und Marmorkühle und Traditionalismus: Joseph Kardinal Ratzinger, der «Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre», der ebenso brillante wie konservative Cheftheologe Johannes Pauls II. Von ihm und seinem vermeintlichen Einfluss war die Öffentlichkeit geradezu obsessiv fasziniert – jetzt ist er selbst zum Papst gewählt worden.
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