Von allen kleinen Gattungen der Poesie hat mir die Fabel seit je am besten gefallen. Und unter den Fabeldichtern ist mir der am Fuss des Olymps geborene, als Sklave nach Rom gekommene Phaedrus der liebste. Vielleicht hat er die Aufmerksamkeit des Kaisers Augustus auf sich gezogen, als dessen Freigelassener er in der Überschrift der Fabelsammlung bezeichnet wird. Natürlich ist er wie alle späteren Fabeldichter von Aesop, «der Verkörperung des griechischen Volksgeistes», dem «Erfinder der Fabel», in Stoff und Motiven abhängig, aber in vielen Fällen bedeuten die Änderungen, die der lateinisch schreibende Dichter gegenüber dem griec ...