Alles braucht seine Zeit. Bis Mauricio Kagels tönende Meditation über Johann Sebastian Bach – «Sankt-Bach-Passion» genannt – auf die CD geriet, mussten 17 Jahre und ein weiteres Bach-Jubiläum (250. Todestag) verstreichen. An Aktualität hat Kagels Beitrag in dieser Spanne nichts eingebüsst, im Gegenteil. Noch immer hebt sich sein Werk, das Auseinander-setzung sein will, entschieden ab von den Jubelfeiern der ehrfürchtigen bis dubiosen Art. Weil Kagel Bach nicht auf den Sockel eines Heiligen stellt, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut begreift. Insofern ist es eine ziemlich irdische Passion, die der verehrte Meister zu durchlaufen hat. Dennoch nicht ohne Durchblicke ins Trans ...