Wer nahe bei Gott sein will, muss weit weg. Fort von den Menschen, den Versuchungen, vom eigenen Begehren. Antonius verkroch sich in die libysche Wüste. In völliger Stille und Einsamkeit sass der Bauernsohn, der nie lesen und schreiben lernen sollte, in seinem Felsengrab und wurde zum Urbild des asketischen Einsiedlers. Er fand, wie es Meister Eckhart (1260–1328) ein paar hundert Jahre später formulierte, die «gelazzenheit der zêle», jene innere Ruhe, die das Ziel aller Entsagung ist.
So wie Antonius zog es in der Spätantike Tausende junger Männer und Frauen hinaus in die Einöde. Askese war in. Sie waren Aussteiger, Hippies, Gottsucher. Nur verfolgten sie dabei keinen Egotrip wi ...