Messen waren einmal die grossen Marktplätze der Moderne: Man ging hin, um Neues zu sehen, Leute zu treffen, sich einen Überblick zu verschaffen. Heute wirken viele Hallen wie Wiederholungen in Endlosschlaufe. Überall «Erlebnis» und «Innovation», am Schluss bleibt oft wenig hängen. Den schnellen Vergleich hat das Digitale übernommen, die Budgets sind kleiner, die Aufmerksamkeitsspanne der Besucher kürzer geworden. Wer heute eine Messe füllen will, muss Inspiration und Ideen liefern, die sich nicht einfach downloaden lassen und die länger halten als der Messetag.
Jason Ingram
Entschleunigung
Bei einer Gartenausstellung ist das eigentlich naheliegend. Ein Garten funktioniert nicht als Prospekt. Man muss ihn begehen, die Proportionen spüren, das Licht sehen, das Material anfassen können. Genau dort setzt die Giardina an – und soll zum 25-Jahr-Jubiläum wieder stärker eine Ausstellung und weniger ein Marktplatz sein. Das Motto lautet denn auch: «Der Baum – die Seele des Gartens». Dabei hat die Giardina gegenüber jeder Bildschirmrealität einen Trumpf: Sie ist unmittelbar. Man sieht, ob etwas lebt oder bloss gut ausgeleuchtet ist. Vor allem aber bietet ein Garten das, was vielen Messen abhandengekommen ist: Ruhe, Orientierung, Mass. In einer Zeit, die alles beschleunigt, wird das Langsame wieder kostbar.
Dazu passt auch der Anspruch von Ajas Kulici, Exhibition Director, die Giardina als Inspirationsort zu positionieren. «Was wir an der Giardina erleben, ist mehr als eine Ausstellung: Es ist ein Ort der Inspiration, an dem Menschen spüren, wie wichtig Natur und gute Gestaltung für ihr Wohlbefinden sind», sagt er. So wird die Giardina zur Bühne für Gartenkunst und lässt in der Messe Zürich zwanzig individuell gestaltete Gartenwelten entstehen; die schönsten werden ausgezeichnet.
Skulpturale Bepflanzung
Als besonderes Highlight wird der britische Landschaftsarchitekt Tom Stuart-Smith nach Zürich eingeladen, international bekannt und mehrfach an der Londoner Chelsea Flower Show ausgezeichnet. Sein Konzept für die Giardina soll bewusst nicht geschniegelt wirken, sondern wie eine freie, landschaftliche Szene: ruhig, natürlich, aber klar komponiert. Sein Zürcher Garten soll als freie, landschaftsorientierte Komposition entstehen, mit Steinen und Wasser als tragenden Elementen und einer natürlich wirkenden, zugleich skulpturalen Bepflanzung. Also kein «Garten zum Durchklicken», sondern einer, der den Blick lenkt und den Schritt verlangsamt.
Gestaltet wird der Garten mit Schweizer Partnern. NaturDesign AG übernimmt Aufbau, Materialisierung und Detailplanung. Das Wasserelement realisiert Aqua AG, inklusive biologischer Wasserfiltration und Teichbau. Die von Stuart-Smith ausgewählten Bäume liefert die Bernhard Baumschulen AG. Und die Bärlocher Steinbruch und Steinhauerei AG bringt rund achtzig Tonnen Rorschacher Sandstein nach Zürich. Zusammen mit grossen Natursteinen soll so ein Stück Natur entstehen, das die Menschen kurz vergessen lässt, dass sie sich in einer Halle befinden.
Und die Giardina reagiert auch auf das Grundproblem vieler Messen: die Kosten. Für alle Aussteller, die einen Garten bauen, der von der Fachjury akzeptiert wird, fällt der Flächenpreis weg. Damit will die Messe mehr Gartenbauunternehmen und Planungsbüros anziehen und die Vielfalt erhöhen. Die Absicht ist klar: je mehr unterschiedliche Handschriften, desto anziehender die Ausstellung. Wenn das gelingt, gewinnt die Giardina wieder an Profil. Nicht als Event mit Garten-Accessoires, sondern als Gartenausstellung im eigentlichen Sinn: mit Bäumen, Blüten, Wasser, Steinen und Pflanzen – und mit Ideen, die man mitnehmen und zuhause umsetzen kann.
Giardina – Leben im Garten: 11. bis 15. März, Messe Zürich; www.giardina.ch

