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«Zusammenarbeit ist wichtig, um Risiken in der Lieferkette zu managen»

NACHHALTIGKEIT & UNTERNEHMERTUM

«Zusammenarbeit ist wichtig, um Risiken in der Lieferkette zu managen»

Ilse Schoeters, Co-Head of Responsible Sourcing Metals and Minerals bei Glencore, erklärt im Gespräch, wie Unternehmen auf die wachsende Nachfrage nach Lieferkettentransparenz reagieren – und warum Teamarbeit dabei entscheidend ist.

Weltwoche: Frau Schoeters, der Begriff «Verantwortungsbewusstsein in der Wirtschaft» wird heutzutage oft verwendet. Was bedeutet er für Sie speziell im Kontext der Beschaffung von mineralischen Rohstoffen?

Ilse Schoeters: Glencore ist nicht nur ein Bergbau-, sondern auch ein Handelsunternehmen. Wir kaufen geförderte und rezyklierte Metalle und Mineralien von anderen Firmen, verarbeiten diese in unseren Anlagen oder verkaufen sie. Unser Sinn und Zweck ist es dabei, auf verantwortungsvolle Weise die Metalle und Mineralien zu produzieren und zu vermarkten, die das tägliche Leben voranbringen. Das heisst, dass wir soziale, ethische und ökologische Erwägungen in Bezug auf unsere Produkte und bei der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten berücksichtigen.

Glencore
Umfassende Sorgfaltspflichten: Kupferhütte in Nordchile.
Glencore

 

Weltwoche: Was bedeutet das genau?

Schoeters: Die Aufgabe meines Teams ist es, relevante Risiken in der Lieferkette der von uns gekauften Metalle und Mineralien zu identifizieren und zu bewerten. Zu den von uns bewerteten Risiken gehören Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Verstösse gegen internationale Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards bei der Gewinnung und Verarbeitung unserer Produkte. Es gibt bestimmte Faktoren, die mit höheren Risiken einhergehen, entsprechend führen wir in solchen Fällen genauere Prüfungen durch. Wenn Risiken identifiziert werden, bewerten wir, welche Massnahmen ergriffen werden müssen, um sie zu managen oder zu mindern. Vereinfacht gesagt: Wir wollen, dass unsere Lieferketten sauber und fair sind.

 

Weltwoche: Haben Sie dazu eigene Standards festgelegt?

Schoeters: Basis für unsere Arbeit ist unser Rahmenwerk für verantwortungsvolle Beschaffung, das von der Geschäftsleitung verabschiedet wurde. Zu diesem Rahmenwerk gehören unsere Richtlinie für verantwortungsvolle Beschaffung, der Glencore-Verhaltenskodex, der unsere Anforderungen und Erwartungen an die Lieferanten festlegt, sowie interne Standards und Verfahren, die beschreiben, wie wir vorgehen.

 

Weltwoche: Wie sieht das in der Praxis aus?

Schoeters: Wir nutzen verschiedene Instrumente, um Risiken in unseren Lieferketten zu ermitteln und zu bewerten. Wir beginnen mit Desktop-Recherchen über unsere Lieferanten, senden ihnen Fragebögen zu,

Beiträge in der Rubrik «Nachhaltigkeit & Unternehmertum» erscheinen im Rahmen einer kommerziellen Zusammenarbeit zwischen der Weltwoche Verlags AG und ausgewählten Unternehmen und beleuchten neue Trends und Technologien.
führen je nach Notwendigkeit und Möglichkeit Bewertungen vor Ort durch und stützen uns auf Überprüfungen durch unabhängige Dritte. Wie von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfohlen, wenden wir hierbei einen risikobasierten Ansatz an und konzentrieren uns zunächst auf Lieferanten, die in Konflikt- und Hochrisikogebieten tätig sind. Denn der Abbau und der Handel von Mineralien aus solchen Gebieten können mit besonderen Risiken verbunden sein. Dazu gehören Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsarbeit, Kinderarbeit und die Finanzierung von bewaffneten Konflikten.

 

Weltwoche: Wird die Sorgfaltsprüfung zunehmend wichtiger?

Schoeters: Ja, und dies zu Recht. Die Nachfrage nach Rohstoffen steigt beträchtlich, unter anderem durch die Energiewende. Es dauert jedoch viele Jahre, neue Bergwerke und Verarbeitungsanlagen zu errichten und alle erforderlichen Lizenzen und Genehmigungen einzuholen. In Ländern mit einer schwächeren Regierungsführung sind die Anforderungen an Genehmigungen und Lizenzen oftmals weniger streng und Bergwerke und neue Verarbeitungsanlagen werden schneller gebaut als üblich. Das kann erhebliche Auswirkungen auf die lokalen Gemeinden, die Bergwerkarbeiter und die Umwelt haben. Nachhaltige Beschaffungsprogramme sind daher wichtig, um eine verantwortungsvolle Produktion und Versorgung mit Metallen und Mineralien zu fördern, die wir für die Energiewende benötigen.

 

Weltwoche: Was ist dabei die Rolle von Europa?

Schoeters: Die EU hat eine führende Rolle. In den vergangenen Jahren hat sie mehrere Rechtsvorschriften eingeführt, die umfassende Sorgfaltspflichten für die Lieferketten von Mineralien vorschreiben. Für Importeure in die EU bedeutet dies, dass sie Sorgfaltspflichten ausüben müssen, um sicherzustellen, dass die von ihnen in die EU importierten Mineralien nicht zur Finanzierung von Konflikten oder Menschenrechtsverletzungen beitragen oder die Umwelt erheblich beeinträchtigen. In der Praxis bedeutet dies, dass Bergwerke und mineralverarbeitende Betriebe, deren Materialien in die Europäische Union exportiert werden oder in Produkte fliessen, die in die Europäische Union exportiert werden, Umwelt-, Arbeits- und Sozialanforderungen erfüllen müssen, die in der Gesetzgebung der EU festgelegt sind.

 

Weltwoche: Sind diese Anforderungen in den Ländern, in denen Metalle produziert werden, überhaupt realisierbar?

Schoeters: In Europa hat man über Jahrzehnte hinweg schrittweise strenge Umweltgesetze und Arbeitsschutzgesetze entwickelt und umgesetzt. Länder mit einer schwächeren Regierungsführung, die erst kürzlich in die Metallproduktion eingestiegen sind, hatten nicht die gleiche Zeitspanne, um vergleichbare Vorschriften zu etablieren. Risiken können systemischer Natur sein, wie Kinderarbeit in Gebieten mit hoher Armut oder Erpressung in Konfliktgebieten. Solche Risiken sind für einzelne Unternehmen schwer zu kontrollieren und erfordern Zeit und eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Behörden und der Zivilgesellschaft, um Lösungen zu finden, die eine schrittweise Verbesserung bewirken.

 

Weltwoche: Was geschieht, wenn ein Zulieferer den Anforderungen nicht gerecht wird?

Schoeters: Bei Glencore kommt ein mehrstufiges Verfahren zur Anwendung. Wenn wir feststellen, dass es Lücken oder Bereiche gibt, in denen Risiken nicht gemanagt werden, suchen wir mit den jeweiligen Lieferanten gemeinsam nach einer Lösung. Wir setzen also zuerst auf Kooperation, um ihre Leistung zu verbessern. Wenn ein Lieferant jedoch nicht bereit ist, die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um erhebliche soziale, ökologische oder Governance-Risiken zu bewältigen, können wir das Vertragsverhältnis beenden.

 

Weltwoche: Welche Aspekte sind in Ihrem beruflichen Alltag von besonderer Bedeutung?

Schoeters: Verantwortungsvolle Beschaffung ist Teamarbeit. Glencore ist ein grosses Unternehmen. Die Koordination von Massnahmen und Entscheidungen ist für die Umsetzung unseres Programms im gesamten Unternehmen unerlässlich. Dazu gehört die interne Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen und Fachbereichen. Wir sind zudem im ständigen Austausch mit Lieferanten, Kunden, Branchenverbänden und Interessengruppen vor Ort. Die Förderung von Partnerschaften mit verschiedenen Interessengruppen wird immer wichtiger, um Risiken im Zusammenhang mit Materialien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten zu minimieren. Es ist eine fortlaufende Herausforderung, aber auch eine Chance, weltweit positive Veränderungen voranzutreiben.

 

Über Glencore

Glencore ist ein bedeutendes Rohstoffunternehmen. Es fördert, verarbeitet, vermarktet und recycelt eine breite Palette von Rohstoffen. Zu seinem Portfolio von mehr als sechzig Rohstoffen zählen sowohl Metalle und Mineralien als auch Energieprodukte. Glencore ist mit über 150.000 Mitarbeitenden und Auftragnehmenden in mehr als 35 Ländern vertreten. An ihrem Hauptsitz in Baar beschäftigt die Unternehmensgruppe über tausend Mitarbeitende. www.glencore.ch

 

Dieses Interview erschien in ähnlicher Form erstmalig in der Verlagsbeilage «Mineralische Rohstoffe» der NZZ am Sonntag vom 24. November 2024.

 

 

 

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