Christoph Stiefel, 56, ist ein Pianist mit zwei Händen – keine Selbstverständlichkeit im modernen Jazz, wo in der Konzentration auf die Bläserlinien der Rechten die Linke oft zu stenogrammartigen Einwürfen marginalisiert wird. Und er ist ein Mann mit zahlreichen stilistischen Facetten: ein Jazzpianist, zweifelsohne, aber mehr noch ein Musiker mit weitem Bildungshorizont. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Isorhythmie, einem auf das Spätmittelalter und die Renaissance zurückgehenden Gestaltungsprinzip, das, vereinfachend gesagt, in der Kunst der Motette melodische und rhythmische Phasen gegeneinander verschoben überlagert. Stiefel ist ...