Schriftsteller stehen in einem gespannten Verhältnis zu Biografen. In seinem Essay «One Cheer for Literary Biography» ringt sich der amerikanische Autor John Updike zwar einen Toast auf das Genre ab, um am Ende aber unmissverständlich klarzustellen, er dulde, solange er lebe, keinen Biografen in seinem Haus. Vitenschreibern wurden schon in den 1920er und 1930er Jahren die Leviten gelesen. Schriftsteller wie Emil Ludwig und Stefan Zweig beherzigten damals eifrig und mit gewaltigem Erfolg die im 19. Jahrhundert aufgestellte These Treitschkes, wonach die Geschichte von grossen Gestalten gemacht werde; Treitschke sprach gar nur von «grossen Männern». Es entstanden dickleibige Romanbiograf ...