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Zwölf für die Vielfalt

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Der italienische Sportwagenbauer Ferrari hält am 12-Zylinder-Saugmotor fest und will Autos wie den 12 Cilindri so lange bauen, bis sie verboten werden.

Der Name klingt auf den ersten Blick fast seltsam fantasielos. «Dodici Cilindri» oder 12 Cilindri, so die offizielle Schreibweise, heisst der im Herbst neu vorgestellte Ferrari mit der Anzahl der Brennräume als Typenbezeichnung. Andererseits liegt in dieser anachronistischen Schlichtheit auch eine gewisse Ehrlichkeit, denn der neue Gran Turismo aus Modena ist genau das, was draufsteht. Ein Motorenkonzept aus unbeschwerteren Tagen des Sportwagenbaus, zwölf Zylinder in V-Anordnung in einem Saugmotor mit insgesamt 6,5 Litern Hubraum. Kein(e) Elektromotor(en), keine Batterie, kein ausgefeiltes hochentwickeltes Konzept, um noch mehr Leistung bei noch weniger Verbrauch zu erzeugen. Stattdessen gilt hier der alte, längst überholte, aber immer noch wohlklingende Kalenderspruch der Ingenieure: «Hubraum ist nur durch Hubraum zu ersetzen.»

Offen für Neues: Ferrari 12 Cilindri Spider.

Ein Motorenkonzept aus unbeschwerteren Tagendes Sportwagenbaus.

Das Aggregat aus dem 12 Cilindri, das Ferrari-Kenner bereits aus dem dem 812 Competizione bekannt vorkommen dürfte, erreicht beeindruckende Werte für das Autoquartett: 830 PS (611 kW), 678 Nm Drehmoment, 40 Prozent leichtere Titankolben und eine Maximaldrehzahl von 9500 Touren. Wie man lesen kann, soll der Motor – technisch gesehen – sogar bis zu 10 000 Umdrehungen pro Minuten erreichen können, das sind Rennsportkennziffern in einem eleganten Sportwagen für ganz normale Strassen. Ruggero Cevolani, der Verantwortliche für die V12-Aggregate bei Ferrari, sagt, dass die niedrigere Drehzahlgrenze bewusst gewählt wurde, um die Leistungsentfaltung zu maximieren und ein «Abfallen des Gefühls der konstanten Beschleunigung» zu vermeiden.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 340 km/h und bei einem Trockengewicht von 1560 Kilogramm (1620 Kilogramm für den Spider mit Stahldach) ist die Wegmarke von 100 km/h aus dem Stand in 2,9 (2,95 für den Spider) erreicht. Angetrieben wird der Sportwagen über die Hinterräder, geschaltet wird über ein Doppelkupplungsgetriebe mit acht Gängen, und die Karosserie besteht aus wiederverwertetem Aluminium. Aus der Zeit gefallen ist der 12 Cilindri also nicht, das Recycling des wichtigsten Werkstoffs für ein solches Auto spricht trotz eher konservativem Ansatz beim Motorenbau für eine durchaus zeitgemässe Kreislaufwirtschaft.

 

«Bella macchina»

Es ist vielleicht auch ein Faktor, der Ferrari als ikonische Sportwagenmarke so unwiderstehlich macht. Obwohl die Erschwernisse durch den Gesetzgeber gross sind, will man in Modena so lange 12-Zylinder-Saugmotoren bauen, bis sie möglicherweise eines traurigen Tages verboten werden. Ein V8 mit grossem Turbolader wäre leistungsfähiger, ein V12 mit Hybridisierung, wie ihn etwa Lamborghini im neuen Revuelto anbietet, wäre noch mächtiger und natürlich auf dem Prüfstand verbrauchsgünstiger gewesen. Aber bei Ferrari geht es, so scheint es jedenfalls, auch um die reine Schönheit der Mechanik, der «bella macchina», wie das in keiner Sprache romantischer ausgedrückt werden kann als im Italienischen. Ein traditioneller Saugmotor, wie er im 12 Cilindri zum Einsatz kommt, sei emotionaler, finden die Verantwortlichen bei Ferrari.

In Modena geht man davon aus, dass die Verkaufszahlen für reine Verbrennermotoren künftig schrittweise zurückgehen werden. Am 9. Oktober 2025 soll das erste Elektroauto vorgestellt werden – ein Meilenstein in der Geschichte der Marke. Neben E-Antrieben und Hybrid-Konzepten sind reine Benzinmotoren auch zukünftig im Angebot. Man geht bei Ferrari davon aus, dass insbesondere synthetische Treibstoffe einen Weg bieten, Sportwagen weiter mit dem Verbrenner-Prinzip anzutreiben.

 

Schützenswerte Art

Dabei geht es nicht darum, mit dem 12 Cilindri (und seinen Nachfolgern) an einem überholten Konzept festzuhalten. Ferrari ist eine innovative Marke. Schon 2013 kam mit dem LaFerrari ein Hypersportwagen mit Hybridantrieb auf den Markt. Er hatte unter der Karosserie aus Carbonfaser orangefarbene Hochspannungskabel und zwei E-Motoren, die die 800 PS des 6,3-Liter-V12-Motors um 163 PS elektrische Energie ergänzten. Trotzdem ist ein Saugmotor in einem Auto, dass mehr als zehn Jahre später produziert wird wie im 12 Cilindri, nicht als reine Nostalgie zu sehen. Es geht um die bedrohte Artenvielfalt im Motorenbau, die es zu schützen gilt.

 

Ferrar12Cilindri Spider

V12-Saugmotor, 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Hinderradantrieb; Leistung:610 kW/830 PS; max. Drehmoment: 678 Nm 7250 U/Min.; 0–100 km/h: 2,9 Sek.; Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h; Verbrauch: 15,9l/100 km; Preis: ab Fr. 442 200.–

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