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Die Weltwoche

Ticker: Fall Joung Gustav

02.03.2026
Stefan Millius

Stefan Millius

Bei Joung Gustav läuft das übliche Schema ab: Nach Kritik an der Asylpolitik folgt keine Debatte über Fakten, sondern eine Hetzjagd auf angebliche Nazis. Warum spricht keiner über seine Zahlen?

Der Sonntagsblick wirft sich lustvoll in die Schlacht und titelt: «So radikal tickt Influencer Joung Gustav wirklich». Der Beitrag wird danach von mehreren anderen Zeitungen zitiert.

Es ist der Versuch einer medialen Hinrichtung. Aus der Story eines erfolgreichen Influencers, der nach kritischen Worten über die Schweizer Asylpolitik die Migros als Partnerin verloren hat, wird eine ganz andere Geschichte: die des angeblichen Rechtsradikalen, der schon lange vom rechten Weg abgekommen sei.

Seit Monaten verbreite Joung Gustav «rechtsextreme Verschwörungen». Als Beleg dient vor allem, dass er die These des «grossen Austauschs» transportiere, die besagt, dass eine bewusste Förderung der Migration zur Ausdünnung der eigenen Bevölkerung diene.

Dass es sich dabei um eine geplante Aktion irgendwelcher Eliten handelt, darf man gern anzweifeln. Joung Gustav hat in seinen eigenen Beiträgen allerdings nicht davon gesprochen. Sondern nur aufgezeigt, dass die Entwicklung seit langem in diese Richtung geht.

Angesichts der Geburtenrate von Schweizern und der anhaltenden Migration ins Land lassen sich problemlos Berechnungen darüber anstellen, wann die Einheimischen in der Minderheit sein werden. Ob man das für problematisch oder erstrebenswert hält, ist eine Frage der eigenen Haltung. An den Fakten ändert es nichts.

Aus einem Kritiker wie Joung Gustav einen verkappten Nazi zu machen, ist ein Manöver zur Ablenkung von wichtigeren Fragen, die über die Zukunft des Landes entscheiden. Fakten und Zahlen sind, was sie sind, unabhängig vom Absender und davon, wie weit rechts dieser angeblich steht.

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28.02.2026
Roman Zeller

Roman Zeller

Migros cancelt Getränke-Unternehmer Joung Gustav – wegen seiner Kritik an der Schweizer Asylpolitik. Was heisst das für die Kunden, die seine Meinung teilen?

Wenn die Migros so grossen Wert darauf legt, dass Geschäftspartner sich an ihren «Wertekanon» halten, dann drängt sich doch die Frage auf: Wie steht es mit den Kunden? Dürfen auch sie nur beim orangen Riesen einkaufen, wenn sie dessen Werte teilen? Sind die irgendwo veröffentlicht, als Aushang in allen Filialen einsehbar? Und wenn die Kundschaft sich an diesen Werten orientieren soll, wie überprüft die Migros das in jedem einzelnen Fall? Fragebögen gleich neben den Einkaufswagen?

Fragen über Fragen – die wir denn auch der Migros gestellt haben. Die allerdings schien auch nicht zu wissen, was Sache ist. Man habe die Marke Vyte «nach eingehender interner Prüfung» aus dem Sortiment genommen. Die Rechtsabteilung sei eingebunden gewesen, «um sicherzustellen, dass alle Aspekte berücksichtigt werden». Aus «Rücksicht» und im Sinne «respektvoller Kommunikation» werde man «keine Details» kommentieren.

Dem Migros-Kunden bleibt also nur eines: Er muss selbst entscheiden, ob seine Werte mit denen der Migros übereinstimmen.

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27.02.2026
Reiner Eichenberger

Reiner Eichenberger

Fall Joung Gustav: Für Migros und Coop geht es weniger um die Schweizer Wähler als die zugewanderten Kunden

Da postet der Influencer und Vitaminwasser-Jungunternehmer Joung Gustav ein Video zur Asylpolitik – und Migros und Coop listen umgehend seine Produkte aus. Wieso dies?

Natürlich spielt bei solchen Entscheidungen vieles mit – etwa vorausgehende Spannungen oder neue Produktstrategien. Gleichwohl liegen drei Thesen nahe.

1. An der Qualität des strittigen Videos lag es nicht. Dichte und Klarheit der präsentierten Evidenz und Berechnungen sind hoch. Klar kann man die Aussagen hinterfragen. Aber im Vergleich zum in sozialen und traditionellen Medien Üblichen war das nicht unfundiert.

2. Die Reaktion von Migros und Coop könnte Joung Gustav recht geben. Im Video sagt er, infolge des steigenden Ausländeranteils könnten dereinst die Meinungen der Schweizer nicht mehr zählen. Zu seiner Verteidigung sagte er später, immerhin habe die Mehrheit der Wähler so gestimmt, wie es sein Video vertreten habe. Doch das Argument beeindruckt Migros und Coop kaum. Denn sie wollen wohl nicht den Schweizer Wählern gefallen, sondern den potenziellen Kunden, was angesichts des Ausländeranteils – bei den 30- bis 40-Jährigen liegt er bei rund 40 Prozent – schon heute etwas ganz anderes ist.

3. Vitamin 3B wirkt. Joung Gustav spricht nur über Zuwanderung in den Asylbereich, also einen kleinen Teil der Zuwanderung. Weshalb reagieren Migros und Coop trotzdem so allergisch? Heute wird oft die Zuwanderung aus der EU mit jener ins Asylwesen vermischt. Manche Gegner der EU-Personenfreizügigkeit instrumentalisieren die Probleme im Asylbereich, und manche Befürworter das Leid. Wer sind die Befürworter der Personenfreizügigkeit? Mit der Bevölkerung wächst das Bruttoinlandprodukt (BIP), aber nicht das BIP pro Kopf. Für die Lebensqualität der «Normalbürger» zählt Letzteres. Für die «Spezialbürger», die in Politik, Verbänden und Wirtschaft oben stehen, zählen auch die Bevölkerungsgrösse und das gesamte BIP, denn mit ihnen wachsen die Steuereinnahmen sowie die Umsätze, Gewinne und Boni in marktmächtigen Firmen. Oder kurz: Das Bevölkerungswachstum bringt ihnen Vitamin 3B: Budget, Bedeutung, Boni. Deshalb lieben viele Spezialbürger die Zuwanderung und verachten Kritik daran.

Reiner Eichenberger ist Professor für Theorie der Wirtschafts- und Finanzpolitik an der Universität Freiburg und Forschungsdirektor von Crema – Center for Research in Economics, Management and the Arts.

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Marcel Odermatt

Marcel Odermatt

Joung Gustav trifft mit seiner Kritik am Asylwesen einen Nerv. Beat Jans’ Migrationsbehörde spricht derweil von «völkisch anmutenden Analysen»

Das Schweizer Asylwesen steht erneut unter Druck – diesmal durch die Kritik des Influencers Joung Gustav in der Weltwoche. Seine Aussagen zu Kosten, Kriminalität und kulturellem Wandel treffen einen wunden Punkt, weil sie an offizielle Zahlen anknüpfen, aber eine politische Leerstelle offenlegen: den Mangel an Transparenz und strategischer Steuerung im Asylsystem.

Die Fakten sind eindeutig. Laut Staatsrechnung 2023 beliefen sich die Ausgaben des Staatssekretariats für Migration (SEM) auf 3,439 Milliarden Franken. Das SEM bestätigt: «Die Ausgaben des SEM beliefen sich 2023 auf 3,439 Milliarden Franken. Darin enthalten sind die Kosten für Asylverfahren, Unterbringung, Rückkehrhilfe sowie Beiträge an Kantone und internationale Organisationen.» Diese Zahl ist unbestritten. Doch der Bund konnte auf eine parlamentarische Anfrage hin keine vollständige Übersicht über die Gesamtkosten des Asylwesens liefern – ein Befund, der die Kritik an mangelnder Transparenz stützt.

Bei der Kriminalitätsfrage verweist das SEM auf die Zuständigkeit der Kantone: «Die Strafverfolgung und Prävention fallen in die Zuständigkeit der Kantone.»

Besonders heikel ist Gustavs dritter Punkt, der demografische und kulturelle Wandel. Hier reagiert das SEM mit einer ungewöhnlich deutlichen Distanzierung: «Dazu nehmen wir nicht Stellung, die Interpretation völkisch anmutender ‹Analysen› gehört nicht zum Aufgabenbereich des SEM.» Diese Formulierung ist bemerkenswert, weil sie den Diskurs moralisch rahmt, statt ihn sachlich einzuordnen. Der Staat sollte ideologische Zuschreibungen vermeiden, dafür aufzeigen, wie Integrationspolitik und demografische Realität zusammenhängen.

Denn die Schweiz steht vor einer doppelten Herausforderung: einerseits humanitäre Verpflichtungen zu erfüllen, andererseits gesellschaftliche Stabilität zu sichern. Wer Kritik am Asylsystem vorschnell als «völkisch» abtut, verwechselt moralische Empörung mit politischer Analyse. Das Ergebnis ist eine Debatte, die nicht mehr auf Argumente, sondern auf Etiketten reagiert.

Die Asylpolitik braucht Transparenz, Ehrlichkeit und Mut zur Differenzierung. Nur so kann sie Vertrauen zurückgewinnen – und verhindern, dass berechtigte Fragen in den Schatten der Empörung geraten.

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26.02.2026
Alex Baur

Alex Baur

Fall Joung Gustav: Unter dem Titel «Reputationsrisiko» gaukeln Grossunternehmen wie die Migros soziales Engagement vor. Das wahre Motiv ist das Gegenteil von Verantwortung: Billiger Opportunismus

Was haben Joung Gustav (Influencer/Getränkeproduzent), Robert Dubler (Mohrenkopf-Fabrikant), die Familie Läderach (Chocolatiers), Jacques Baud (Militärhistoriker/Publizist) und Nathalie Yamb (Youtuberin) gemeinsam?

Richtig: Ihnen allen haben Schweizer Grossfirmen die wirtschaftliche Existenzgrundlage entzogen – sie wurden gecancelt, wie man heute sagt – nicht weil sie irgendetwas Strafbares oder sonst wie Verwerfliches getan hätten. Die Begründung ist rein geschmäcklerischer Natur. Sie vertreten politisch unkorrekte Positionen, welche dem Justemilieu nicht genehm sind.

Gustav und Dubler wurden von der Migros beziehungsweise von Coop gecancelt, weil sie für etwas stehen, was aus linker Sicht einen rassistischen Beigeschmack haben könnte. Die Läderachs wurden von der Fluggesellschaft Swiss gecancelt, weil sie sich privat als Christen gegen die Abtreibung und die Schwulenadoption engagieren. Baud und Yamb wurden von der UBS beziehungsweise der Raiffeisen-Bank gecancelt, weil sie sich gegen ein einseitiges Russen-Bashing wehren. Gegen Letztere liegt aus diesem Grund ein Finanzbann der EU vor, der allerdings in der Schweiz gar nicht anwendbar ist.

Was haben Migros und Coop, die Swiss, UBS und Raiffeisen gemeinsam?

Richtig: Es sind Konzerne, die eng mit der Schweiz und ihren Werten verbandelt sind. Ihre Marken profitieren von Tugenden, die als typisch schweizerisch gelten: Zuverlässigkeit, Qualität, Ehrlichkeit, soziale Verantwortung. Stehen Gustav, Dubler, die Läderachs, Baud oder Yamb im Widerspruch zu diesen Werten? Im Gegenteil. Sie tanzen bloss aus der Reihe, was ebenfalls als urschweizerisches Merkmal gilt.

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Die einzig typisch schweizerische Charaktereigenschaft, von der sich Gustav, Dubler, die Läderachs, Baud und Yamb markant abheben, ist eine wenig schmeichelhafte: Opportunismus. Man meidet lieber, was irgendwie auf Widerstand stossen könnte, bis hin zur Selbstverleugnung. Und das ist es, was die Sittenwächter von Migros, Coop, Swiss, UBS und Raiffeisen in Wahrheit umtreibt.

Das Zauberwort der Cancel-Culture von Migros und Konsorten lautet «Reputationsrisiko». Nein, um Gottes willen nein, man hat doch nichts gegen Aussenseiter. Schliesslich ist man strikt neutral. Es ist nicht persönlich. Aber es könnte dem Geschäft schaden. Das Ansehen! Es ist wie weiland mit der Braut, die ihre Jungfräulichkeit zur Unzeit geopfert hat: selber ist man ja aufgeschlossen und tolerant, doch die Gesellschaft, die vermaledeite societée, sieht das anders.

Puta heisst auf Spanisch «Hure», «Reputa» wäre demnach eine «Superhure». Sorry, wenn ich «Reputationsrisiko» höre, kommt mir nichts anderes als Prostitution in den Sinn. Ich bitte an dieser Stelle alle Huren dieser Welt um Vergebung: Die meisten von ihnen verdienen ihr Geld durch ehrliche Knochenarbeit und haben durchaus ihre Prinzipien – im Gegensatz zu Unternehmen mit klingenden Namen wie Migros, Coop, Swiss, Raiffeisen oder UBS.

Natürlich sind die Unternehmen frei in der Wahl ihrer Kundschaft. Doch dasselbe gilt auch für die Kunden. Sie müssen entscheiden, ob eine Firma ihr Vertrauen verdient oder eher nicht.

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25.02.2026
Stefan Millius

Stefan Millius

SRF-Kabarettistin Lisa Christ bezeichnet die Meinung von Influencer Joung Gustav als «Faschismus» – und wirft ihm eine Straftat vor. Belege dafür bleibt sie schuldig

«Ich habe ehrlich gesagt vorher nicht gewusst, wer er ist»: Das sagt die Kabarettistin Lisa Christ vor der Kamera über den Influencer Joung Gustav, der kürzlich von der Migros aufgrund seiner politischen Meinungsäusserung gecancelt wurde.

So manchem, der auf Instagram auf ihren Videoclip gestossen ist, dürfte es umgekehrt mit Lisa Christ genauso gehen: Wer ist das?

Die ehemalige Schweizer Meisterin im Poetry-Slam tourt derzeit mit ihrem Bühnenprogramm durch die Schweiz. Bei SRF moderierte sie einige Jahre eine Comedy-TV-Sendung. Aktuell gehört sie zum Autorenteam der Satiresendung «Zytlupe» auf Radio SRF.

Christ bezeichnet sich selbst als «feministisch, pointiert und gnadenlos ehrlich». Dazu gehört offenbar auch die Formulierung von haltlosen Anschuldigungen.

Lisa Christ wirft Joung Gustav vor, er verbreite «rechtspopulistische Propaganda» und «Bevölkerungsaustauschtheorien von Neonazis». Die Meinungsfreiheit sei zwar ein Grundrecht. Hier handle es sich aber nicht um eine Meinung, sondern um Rassismus, und der sei strafbar.

Joung Gustav kritisiert in seinem Video auf Tiktok die hohen Kosten des Schweizer Asylwesens und den überdurchschnittlichen Anteil von Migranten an der Kriminalität. Ausserdem verweist er mit Blick auf die Geburtenrate darauf, dass die Schweizer über kurz oder lang zur Minderheit im eigenen Land werden könnten.

@gustavredet

mini meinig zu de schwiizer asylpolitik #schweiz

♬ Originalton - gustavredet

2024 lag die Geburtenrate in der Schweiz auf dem historischen Tiefstand von 1,29 Kindern pro Jahr. Um den Bevölkerungsstand zu halten, wären 2,1 Kinder nötig.

Bei den meisten Migrantengruppen herrscht deutlich mehr Lust an der Fortpflanzung. Das Verhältnis zwischen den Gruppen verschiebt sich daher fraglos zugunsten der Zugezogenen.

Das ist kein Rassismus und auch keine faschistische Austauschtheorie. Das ist relativ einfache Mathematik auf Grundschulstufe.

Vermutlich ist Lisa Christ mit ihren Vorwürfen also selbst näher an einer Straftat als Joung Gustav. Denn ihre Unterstellungen sind nicht nur einfach widerlegbar, sondern wiegen auch schwer.

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24.02.2026
Marcel Odermatt

Marcel Odermatt

Stress darf polarisieren, Joung Gustav verliert Verträge – die Schweizer Kulturszene kennt nur eine richtige Haltung

Der Fall Joung Gustav ist mehr als eine persönliche Episode. Er wirft eine grundsätzliche Frage auf: Gibt es in der Schweiz eine kulturelle Schlagseite, wenn es um politische Meinungsäusserungen geht – besonders dort, wo Kultur, Medien und Wirtschaft zusammenwirken? Wenn ein Influencer nach Kritik an der offiziellen Asylpolitik seine Produkte bei Migros und Coop verliert und seine Karriere als klassischer Influencer für beendet erklärt, steht rasch der Vorwurf im Raum: Wer rechts argumentiert, riskiert wirtschaftliche Konsequenzen.

Migros und Coop sind private Unternehmen. Sie entscheiden selbst über ihr Sortiment und vermeiden Reputationsrisiken. Politische Polarisierung gilt im Marketing als heikel. Das ist marktwirtschaftliche Realität. Doch die Frage ist, ob dieses Risiko politisch gleich verteilt ist.

In der Schweizer Kulturszene gehört Kritik an der SVP seit Jahren fast zum guten Ton. Musiker wie Stress («Fuck Blocher») positionierten sich wiederholt gegen rechtsbürgerliche Initiativen und Kampagnen. Zahlreiche Kulturschaffende engagierten sich öffentlich gegen das Minarettverbot oder gegen Verschärfungen im Asylrecht. Wirtschaftliche Nachteile waren kaum zu beobachten. Viele blieben Werbegesichter grosser Marken oder Empfänger öffentlicher Fördergelder.

Hier entsteht der Eindruck einer Asymmetrie: Wer die politische Rechte kritisiert, bewegt sich im kulturellen Mainstream. Wer hingegen progressive Positionen – etwa in der Migrationspolitik – offen in Frage stellt, gilt schnell als «kontrovers». Und «kontrovers» ist für Marken selten attraktiv.

Es geht nicht um staatliche Zensur, sondern um soziale Mechanismen. In urbanen, akademisch geprägten Milieus dominieren progressive Haltungen. Diese prägen Diskurse und definieren, was als akzeptabel gilt. Wer davon abweicht, zahlt unter Umständen einen Preis.

Joung Gustav formuliert zugespitzt: «Sei links oder sei ruhig.» Das ist polemisch, aber nicht haltlos. Sicher ist: Er hat einen Punkt. Die Schwelle für wirtschaftliche Konsequenzen scheint nicht symmetrisch verteilt. Wer die Rechten kritisiert, muss kaum mit Sanktionen rechnen. Umgekehrt sieht es häufiger anders aus.

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23.02.2026
Stefan Millius

Stefan Millius

Links geht, rechts nicht: Influencer dürfen ihre Meinung sagen, aber bitte nicht die Asylpolitik kritisieren. Expertin kommentiert den Fall von Joung Gustav – und beweist dabei gleich, dass er mit seiner Einschätzung richtig liegt

Der Tiktok-Influencer Joung Gustav kommentiert in einem Beitrag die Asylpolitik der Schweiz kritisch als zu lasch. Kurz danach kündigt die Migros, die bisher sein Lifestyle-Getränk vertrieben hat, die Zusammenarbeit.

Das Fazit von Joung Gustav: Man müsse in der Schweiz links ticken, um nicht gecancelt zu werden.

Anja Lapcevic, frühere Chefin der Agentur Kingfluencer, schiebt ihm nun in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger die Schuld zu. Politische Posts seien zwar kein Problem. Aber «ein so heisses Thema wie die Asylpolitik» provoziere, und seine Meinung sei «kontrovers». Als Profi hätte Joung Gustav «die Auswirkungen abschätzen müssen».

Heisst übersetzt: Man darf seine Meinung sagen, aber bitte nicht zu Asyl und Migration, und wenn doch, dann nur in die gewünschte Richtung. Womit Lapcevic indirekt bestätigt, was Joung Gustav sagt: Links geht, rechts nicht.

Ihr weiterer Vorwurf, der Influcencer habe seine Asylkritik auf der Grundlage von «eigenen Berechnungen» geäussert und seine Quellen nicht offengelegt, mutet seltsam an. Bisher hat niemand behauptet oder gar belegt, dass die präsentierten Zahlen rund um die Migration nicht zutreffend waren.

Sicher ist: Ein Aufruf zu mehr Zuwanderung und einer lockeren Flüchtlingspolitik hätte niemals zum Rausschmiss aus den Ladengestellen geführt. Sogar ohne Quellen und mit falschen Zahlen.

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21.02.2026
Dokumentation

Dokumentation

«Sei links oder sei ruhig»: Influencer Joung Gustav über Coop und Migros, die ihn wegen seiner politischen Äusserungen gecancelt haben

Dieser Text ist die Reaktion von Influencer Joung Gustav auf Tiktok, nachdem ihn Migros und Coop wegen seiner kritischen Äusserungen über das Schweizer Asylwesen gecancelt haben. Wir dokumentieren sie im Wortlaut.

Meine Karriere ist vorbei, weil ich kritisch über das Schweizer Asylwesen gesprochen habe. Das ist die Geschichte dahinter: Ende letzten Jahres habe ich Bedenken an einer geplanten Asylunterkunft in meiner Gemeinde geäussert, weil der Gemeinderat im Abstimmungsbüchlein die Sicherheit nicht thematisiert hat. Mein Video fand sehr viel Zuspruch. Ausserdem hat das Stimmvolk an jenem Wochenende die Asylunterkünfte, die in zwei Gemeinden zur Abstimmung standen, relativ klar abgelehnt. Die Mehrheit der Bevölkerung scheint meine Bedenken geteilt zu haben. Es gab aber auch andere Stimmen.

@gustavredet

karriere verbi - alpkick.ch startet 🏔️ bitte teile #schweiz #vyte #gustav

♬ Originalton - gustavredet

Ein Podcast-Duo hat mich als rechtsextrem bezeichnet, wiederholt beleidigt und, um mir wirtschaftlich zu schaden, die Migros markiert. Dort ist nämlich meine Getränkemarke Vyte seit 2023 im Sortiment. Anschliessend habe die Migros mit mir das Gespräch gesucht, sagen Sie kürzlich gegenüber den Medien. Das habe ich komplett anders erlebt.

Die Migros hat einen Arbeitstag nach der Markierung alle Bestellungen diskussionslos und fristlos gestrichen. Fristlose Auslistungen sind in diesem Business extrem unüblich. Wir haben die Migros gebeten, uns zumindest eine gewisse Vorlaufzeit zu geben, damit unsere finanziellen Schäden und der Food Waste der bereits vorproduzierten Getränke reduziert werden kann. Das haben sie abgelehnt.

Offizieller Grund für die Auslistung sind meine politischen Äusserungen auf meinem Tiktok-Kanal «gustavredet», die nicht mit den Werten der Migros vereinbar seien. Sie haben betont, dass sie für Vielfalt, Respekt und Gleichberechtigung stehen.

Werte, die sie in – wenn man das Abstimmungsresultat anschaut – einem riesigen Teil der Bevölkerung nicht sieht. Mach dir gerne ein eigenes Bild von meinen Aussagen, alle Videos sind noch online. Zwei weitere Brands, mit denen ich als Influencer gemeinsame Projekte unterschrieben hatte, sind nach der öffentlichen Diskussion um meine Asylaussagen, von den Projekten mit dir, abgesprungen.

Auf der anderen Seite werden linkere Werte in dieser Branche nicht nur toleriert, sondern oft sogar in Briefings gefordert. Wenn du als Influencer in der Schweiz Geld verdienen willst, gilt die Devise: Sei links oder sei ruhig. So ist meine Karriere als klassischer Influencer vorbei. Das nehme ich als Chance, neue Projekte zu verfolgen.

Wir bei Vyte sind ein paar junge Schweizer, die ohne Investoren im Rücken eine Firma aufgebaut haben. Diese versuchen wir jetzt so aufrechtzuerhalten, dass wir selbst und nicht grosse Detailhandelsketten die Kontrolle haben. Für das brauchen wir ein Produkt, das für den Onlinehandel optimiert ist. Deshalb entwickeln wir aktuell eine leicht gesüsste Getränkepulver-Reihe mit Schweizer Alpenkräutern und Fruchtextrakten, die man einfach zu Hause oder unterwegs mit Wasser mischen kann.

Möchtest du zu den Ersten gehören, die «Vyte Alp Kick» probieren, oder einfach die Meinungsfreiheit in der Schweiz unterstützen? Dann mach mit bei unserem Crowdfunding auf Alpkick.ch. Danke für eure Aufmerksamkeit und lasst euch eure Meinungsfreiheit von niemandem nehmen.

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20.02.2026
Stefan Millius

Stefan Millius

Vom Unterhalter über den Influencer zur politischen Figur: Wer ist Joung Gustav, der von Migros und Coop gecancelt wurde?

Er war der Liebling der Gen-Z, jetzt ist er der Streitfall der Detailhändler: Joung Gustav steht seit einigen Tagen im Zentrum einer Debatte über Meinungsfreiheit, Marketing und Moral.

Bekannt wurde der Zürcher mit kurzen, schnell geschnittenen Strasseninterviews. Er sprach Passanten an, provozierte, flirtete, überraschte und räumte Klicks ab. Auf Tiktok baute er sich innert weniger Jahre ein Millionenpublikum auf.

2023 folgte der Schritt vom Content zur Ware. Mit der Getränkemarke Vyte brachte er ein Vitaminwasser auf den Markt, das in Filialen von Migros und Coop verkauft wurde. Der Influencer als Unternehmer: Das Modell schien lange aufzugehen.

Bis es zum Bruch kam. Auf einem bis dahin sehr viel weniger beachteten Nebenkanal äusserte sich Gustav migrationskritisch zur Schweizer Asylpolitik.

Die Reaktionen waren heftig. Migros beendete die Zusammenarbeit, Coop nahm das Produkt später ebenfalls aus dem Sortiment, offiziell aus wirtschaftlichen Gründen, aber zeitlich auffällig dicht an der Entscheidung der Migros. Joung Gustav selbst sprach danach von politischer Ausgrenzung und befand, heute gelte: «Sei links oder sei ruhig.»

Die einstige Lifestyle-Figur ist seither eine Projektionsfläche, benutzt von Politikern aller Couleur für die gewünschte Botschaft. Die einen sehen in ihm ein Symbol dafür, dass die Wirtschaft Haltung nur duldet, solange sie ins Sortiment passt. Die anderen verweisen auf die Freiheit des Markts und seiner Teilnehmer.

Erstaunlich angesichts der Durchdringung, die er zwischenzeitlich erreicht hat: Über seine restliche Biografie ist wenig bekannt. Es gibt keine ausführlichen Porträts und kaum private Details.

Joung Gustav bleibt damit eine Kunstfigur mit Millionenreichweite. Allerdings mit einer neuen, unfreiwilligen Facette. Er wurde zum Botschafter der Frage, ob man sich heute noch eine eigene Meinung leisten kann, wenn man sein Geschäft nicht verlieren will.

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19.02.2026
Stefan Millius

Stefan Millius

Migros und Coop als Gesinnungspolizei: Der Fall von Joung Gustav zeigt, wie eng der Meinungskorridor in der Schweiz geworden ist

Der Influencer Joung Gustav mit seinem Millionenpublikum in den sozialen Medien war als Botschafter seiner Getränkemarke bei der Migros lange ein gefragter Mann. Bis er sich mit einem Mal politisch äusserte, konkret kritisch zur Asylpolitik. Der Auftritt führte zum Rausschmiss.

Die Aussagen seien «nicht mit unserem Wertekanon vereinbar», so die Migros. Wer es genauer wissen will, scheitert: In der Eigendarstellung des Detailhändlers findet sich nirgends eine Richtlinie zur Migrationsfrage.

Kurz danach flog das Getränk von Joung Gustav auch aus den Coop-Gestellen. Offiziell, weil die Nachfrage zu tief war. Gemerkt hat man das kurz nach den Schlagzeilen über die Cancel-Aktion der Migros. Es ist ein bisschen viel Zufall.

Handelsunternehmen werden zur Sittenpolizei. Grossverteiler werden zum moralischen Kompass. Joung Gustav hat weder Fake News verbreitet noch strafbare Aussagen gemacht. Er hat nur seine Meinung gesagt. Der erwähnte «Wertekanon» erinnert an eine moderne Form der Inquisition.

Migros und Coop sind private Unternehmen. Wen sie für ihre Zwecke einspannen, ist ihnen überlassen. Sie können die Zusammenarbeit mit einem Botschafter und dem Produkt, das er vertritt, natürlich aufkünden.

Schlüsse daraus ziehen, wen es trifft, darf man dennoch. Denn es ist mal wieder nur eine Seite der politischen Skala. Hätte Joung Gustav eine Lanze für den Kampf gegen den Klimawandel, für die SRG oder für eine Schweizer Version von «Wir schaffen das» gebrochen, wäre nichts passiert.

Wer jemandem die Geschäftsgrundlage entzieht, weil er eine bestimmte Meinung vertritt, macht deutlich, dass es eine einzige richtige gibt. Die Strafe dient der Umerziehung. Denn nun weiss jeder, der mit der Migros zu tun hat, dass er nur in eine Richtung ticken darf und ansonsten schweigen muss.

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