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Die Weltwoche

Es lebe der Widerspruch

Gelegentlich werde ich gefragt, nach welchen Prinzipien die Weltwoche gemacht wird, was ihre redaktionelle Linie, das übergreifende Programm sei, nach dem wir die Nachrichten ordnen. Gerne versuche ich eine Antwort, obwohl die Weltwoche unter den Zeitungen ein Spezialfall ist. Seit ihrer Gründung vor über neunzig Jahren sieht sie sich als «unkonventionelle Zeitung». Das bedeutet, sie nimmt sich die Freiheit heraus, die Dinge auch von einer anderen Seite zu beleuchten. «An der Weltwoche beeindruckt die Fähigkeit ihrer Autoren, Dinge auszusprechen, die andere nicht auszusprechen wagen.» So formulierte es der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. 

Illustration: Fernando Vicente
Es lebe der Widerspruch
Illustration: Fernando Vicente

Ein eng gefasstes Konzept, eine redaktionelle Doktrin hatte die Weltwoche nie und schon gar keine verbindliche politische Linie. Die Redaktion setzt sich aus unterschiedlichen Stimmen zusammen, es gibt Linke, Rechte, Unpolitische. Doch einen Grundsatz hat die Zeitung meistens, vor allem in ihren erfolgreichen Zeiten, berücksichtigt. Die Weltwoche gibt ihren Autoren mehr Freiheit, um das zu schreiben, was gesagt, geschrieben werden muss. Daraus erklärt sich das Unbequeme, Widerspenstige. Die Weltwoche hält dagegen, sie gibt Gegensteuer, hinterfragt das allgemein für wahr Gehaltene, liefert «die andere Sicht». Nicht nur, aber doch auch. 

Über die längste Zeit ihres Bestehens sah sich die Weltwoche mit einer konservativ regierten Schweiz konfrontiert. Die Ära des Kalten Kriegs war eine Zeit der scharfen Fronten. Auf der einen Seite war die freie Welt, auf der andern Seite der kommunistische Block. Dazwischen manövrierte die Weltwoche, «nonkonformistisch». Das hiess damals: links von der Mitte, die damals klar rechts stand. In dieser traditionsstolzen, feldgrauen Bundesordner-Schweiz war die Weltwoche der bunte Vogel, aufs Progressive setzend, «die andere Sicht», das Blatt der Intellektuellen, der Unangepassten und der Linken, Frischluft im rechten Mief. 

Als ich zu Beginn der 2000er Jahre als Chefredaktor angeheuert wurde, stand die Weltwoche unter Wasser. Sie verlor jährlich Millionen. Die alten Besitzer wollten sie loswerden, fanden keinen Käufer, stattdessen holten sie mich. Meine früheren Arbeitgeber warnten vor einem Himmelfahrtskommando. Doch ich wagte den Schritt, weil ich als Journalist die Weltwoche bewunderte und sie für mich eine einzigartige Zeitung war und geblieben ist, eine echte Stimme der Freiheit, die sich traut, gegen die politischen Korrektheiten ihrer Zeit anzutreten, wie auch immer sie sich nennen, ob rechts, ob links, ob grün, ob woke. Die Weltwoche kurvt in ihrer eigenen Umlaufbahn. 

Zu meinen Anfangszeiten war die Weltwoche allzu links. Der grösste Feind der Redaktion hiess Christoph Blocher. Der SVP-Politiker und spätere Bundesrat war für die Journalisten ein menschgewordener Skandal, identitäts-stiftend, die Verkörperung all dessen, was sie ablehnten. Ein anderes Tabuthema war US-Präsident George W. Bush, Erzteufel wegen des Irakkriegs, fast noch schlimmer als heute Trump. Das Thema Ausländer und Asyl war Giftschrank, Minenfeld, betreten untersagt auch hier. Diese Dogmen galt es aufzubrechen, die Mythen abzutragen, die Feindbilder zu hinterfragen, den Hartbeton der Meinungseinfalt aufzuknacken. 

Ich war sehr naiv. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass mein Ansatz Kritik oder gar Feindseligkeiten entfachen würde. Für mich war «die andere Sicht» elementarer Journalismus, es waren «News» im Wortsinn, das Abenteuer des Neuen, andere Fakten, andere Meinungen zu bekannten Themen, Nachrichtenjournalismus im klassischen Sinn. Erst allmählich wurde mir klar, wie sehr die Medien politisch geprägt sind. Als früherer Film- und Sportredaktor war mir das neu. Wir hatten gelernt, die Leistung einer Mannschaft unabhängig von ihrer Leibchenfarbe zu würdigen. Im politischen Journalismus war, ist die Leibchenfarbe alles. Wehe, einer spielt im falschen Team. 

Bis heute sehe ich die wesentliche Aufgabe der Weltwoche darin, landläufigen Gewissheiten zu widersprechen. Besonders misstrauisch muss man werden, wenn sich die Leute bei einer Sache allzu schnell einig sind, heisse sie nun SVP, Klima, Corona, Blocher, Ukraine, Putin oder Trump. Man muss doch diskutieren. Wären die meisten Schweizer Medien rechts, balancierte die Weltwoche nach links. Da aber die meisten Medien verlässlich links der Mitte navigieren, die EU anhimmeln, die «Rechten» verteufeln, dem Moralismus huldigen, ist es eine Frage der Ausgewogenheit, dass nicht auch noch die Weltwoche mehr oder weniger das Gleiche schreibt wie alle andern. 

Beunruhigend oft höre ich in der Schweiz den Satz: «Darf man das noch sagen?» Viele haben den Eindruck, es habe schon besser gestanden um die vielbesungene, stets bedrohte Meinungsfreiheit. Noch nie hatten es die Mächtigen gern, wenn man ihnen widerspricht. Nicht nur in autoritären Staaten, auch in Demokratien geht es darum, die Freiheit des Bürgers gegen die Anmassungen und angeblich alternativlosen Wahrheiten des Staates zu verteidigen. Journalisten suchen die Nähe zur Macht, weil sie ihnen Bedeutung und Prestige verleiht. Darum sind die Medien, auch in der Schweiz, nicht so kritisch mit der Obrigkeit, wie sie es sein sollten. 

Wer eine Audienz, einen Interviewtermin bei den Regierenden will, überlegt sich zweimal, was er sagt und was er schreibt. Immer schon schlichen die Journalisten um die Mächtigen herum. Doch der Filz ist heute dichter. Oder irre ich? Immer mehr Leser und Zuschauer sind von den klassischen Medien enttäuscht. Sie fühlen sich bei den «alternativen», den neuen Medien besser informiert. Die Weltwoche ist eine klassische Zeitung, die aus der Reihe tanzt und vielleicht gerade deshalb weniger Gefahr läuft, unter die Hofschranzen zu geraten. Was ist das Credo? Glaube nichts, bezweifle alles, habe wache Augen und ein grosses Herz. Versuche, für den Leser interessant zu sein.

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