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Die Weltwoche

«Gruetze mitanand Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und eben wie bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli. Bei leichtem Nieselregen befinden wir uns unweit von Zürich in der Gemeinde Herliberg hinter uns. Barhäuser, lieber Christoph, was ist heute das Thema der Sendung? Worum drehen sich die Meilenscheine der Schweizer Geschichte heute? Grüezi miteinander. Wir sprechen über das Schipfgut an der Seestraße, grossenteils der Gemeinde Herliberg zugehörig. Liegt auch noch etwas auf Erlenbacher Boden. Und wir sprechen neben dieser Entwicklung eines solchen stadtsürcherischen Landguts auch über zwei ganz berühmte Besuche. die sich hier eingefunden haben. Worum geht es bei dieser Schipfe? Was ist da entscheidend, bedeutend, was ist da wichtig? Das Schipfgut ist bereits Ende des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt und es wurde dann Ende des 16. Jahrhunderts erworben durch einen David Wertmüller. Der hat Geld gemacht im Seidenhandel, wie viele Stadtzürcher. Das war den Städtern vorbehalten. Da durften also die ländlichen Untertanen sich nicht einmischen in dieses einträgliche Seidenhandelsgeschäft. Und wie andere mehr haben dann auch seine Nachkommen hier dieses Schipfgut aufgebaut. Im 17. und 18. Jahrhundert ist ein typischer Landsitz für solche Stadtsürche, die den Sommer dann hier am Zürichsee verbrachten. Es gibt auch andere solche Landsitze. Das Schipfgut ist allerdings flächenmässig der grösste am Zürichsee. Wurde es ständig bewohnt oder eben war es nur eine Sommerresidenz, Wochenendresidenz? Es war im Prinzip schon eine Sommerresidenz. Also in den warmen Monaten hat man hier gewohnt. Dazu gehörte auch Land, dazu gehörte natürlich der Rehberg. Heute noch 4,5 Hektar. Reben gehören zu diesem ausgedehnten Gut. Es war dann auch im Besitz des Schanzenherrn Hans-Georg Wertmüller. Der hat in Zürich die Stadtbefestigung gebaut, Mitte des 17. Jahrhunderts. Hat auch in Heidelberg Stadtbefestigungen konzipiert. Und dann kam es aber an die ebenfalls im Seidenhandel tätige Familie Escher von Glas in Zürich. Ist es das berühmteste Landgut in Zürich, das schönste Landgut in Zürich, das grösste? Was ist da speziell an diesem Landgut? Also ich kenne eigentlich kein schöneres und auch kein zusammenhängenderes. Das hat auch seine Probleme, indem natürlich die Öffentlichkeit auch zum Teil Land beansprucht und die Besitzer dann, das ist immer noch im Privatbesitz, immer auch wieder gefordert sind hier. Land herausgeben zu müssen. Das ist ein Nachteil, dass hier das Eigentum manchmal nicht durchgesetzt werden kann gegenüber öffentlichen Ansprüchen bei einem so grossen Gebiet. Aber diese Familie Escher hat es dann über 150 Jahre gehalten und bei Hauptmann Johannes Escher war im Jahr 1797 ein berühmter Besucher, der sich eingefunden hat. Noch vielleicht kurz zu den Eschers. Ist das die gleiche... Eine Familie Escher, wo auch Alfred Escher dazugehört. Im weiteren Sinn, in der Tat, es ist die Familie Escher vom Glas, der andere Zweig ist dann die Familie Escher vom Luchs, die sich auch Adelig von Escher nennt. Aber tatsächlich ist auch Alfred Escher in der weiteren Verwandtschaft dieser Escher vom Seidenhof, wie man auch sagt, zugehörig. Kommen wir zu diesem Besuch, zu diesen Besuchen. Du hast das eingangs angetönt. Was war da speziell? Wer ist da vor allem gekommen? Da ist tatsächlich bei seiner dritten Schweizer Reise Johann Wolfgang von Goethe zweimal hier ins Schipfgut gekommen. Er hat ja gewohnt in Stäfa, war da über drei Wochen einquartiert und hat da wirklich längere Zeit. verlebt, hat sich da auch dann in der Umgebung umgesehen und war sowohl bei der Rückreise nach Zürich hier mit dem Schiff, auf dem Schiff gut, wie auch vorher mal während seinem Stäfner-Aufenthalt. Er hat da gewohnt in Stäfau in der Krone bei dem Kunstmaler und Kunstprofessor Heinrich Mayer, ein ebenfalls stadtzürcherischer Kollege in Weimar. Und der Sohn von Johannes Escher, hier vom Schipfgut, hat diesen Meier zurückgebracht, als er krank war, von Rom dann Richtung Schweiz. Und Hauptmann Johannes Escher, damals Besitzer des Schipfguts, hat dafür gesorgt, dass Goethe diesem Meier Geld schicken konnte nach Rom. Und wie hat Goethe diesen Besuch erlebt? Wie hat er darüber überhaupt geschrieben? Wie hat er Zürich gefunden, den Zürichsee? Wie war dieser Besuch? Er hat darüber berichtet und es ist auch ein berühmtes Zitat von Goethe überliefert. Allerdings hat das dann später der Schriftsteller Konrad Ferdinand Mayer aufgenommen. Er hat nämlich noch mit dem Sohn dieses Hauptmann Johannes Escher sprechen können. Und dieser hat erzählt und er war offenbar dabei, dass Goethe, als er im... oberen Haus, dieses Schipfguts, im sogenannten Lehenshaus, den riesigen Saal gesehen hat, einen Barocksaal von 250 Quadratmetern, der grösste private Barocksaal der Schweiz. Als er in diesen Saal getreten ist, soll Goethe ausgerufen haben, hier muss man tanzen. Also war er begeistert, er war begeistert von dieser Bleibe, von diesem Landgut von seiner Zeit am Zürichsee. Er war beeindruckt und es ist wirklich auch heute noch ein sehr beeindruckender Saal, wo von Zeit zu Zeit auch Veranstaltungen stattfinden, Konzerte. Es hat da drin auch eine Orgel und dieser Saal ist wirklich sehr, sehr eindrücklich und ein Prachtstück des Barock. Was gibt es sonst noch über diesen Besuch zu erzählen oder gehen wir bereits schon zum zweiten Besuch? Du hast ja geteasert, dass es da noch einen zweiten bedeutenden Besuch gab an dieser Schipfe und diesem Landgut in Zürich. Es sind noch immer die Nachkommen dieser Familie Escher, hier Besitzer des Schipfguts, allerdings mit einem Namenswechsel, denn im Jahr 1874 hat eine verheiratete bzw. angeheiratete Familie dann das Gut übernommen. Das waren die von Mayenburgs. Die von Mayenburgs sind ursprünglich aus Schaffhausen. Sie sind 1706 geadelt worden durch Kaiser. Josef I., sie hatten das Postmonopol in Schaffhausen. Und wie gesagt, dann zweite Hälfte 19. Jahrhundert werden die von Mayenburgs Besitzer hier. Da gibt es dann auch einen bedeutenden Pathologie-Professor der Universität Zürich im 20. Jahrhundert. Sein Sohn wiederum ist Hans von Mayenburg, ein namhafter Architekt, dessen Schwester Gertrud, ebenfalls Architektin, war einige Jahre. mit dem Schriftsteller Max Frisch verheiratet. Und der Sohn des Architekten Hans von Mayenburg, Kaspar von Mayenburg, ist hier heute der Besitzer mit seiner Frau Bettina. Sie produzieren einen wunderbaren Wein hier, weil Kaspar von Mayenburg davon viel versteht. Er ist ursprünglich Mikrobiologe, war Professor in Kopenhagen und ist hier auch ein grosser Tüftler. werden kann. hervorragende Weine in diesem Team der von Weinburgs hergestellt. Weiss man eigentlich, wie viel dieses Landgut kostet? Da wird sicher ein erheblicher Teil reingesteckt werden müssen. Das ist nicht ein... Einfach ein solches Gut zu halten und man muss natürlich versuchen, das einigermassen rentabel zu halten, eben durch die Produktion von Wein, das hier natürlich betrieben wird. Es gibt vielleicht auch noch andere Einnahmequellen, das weiss ich nicht ganz genau. Das ist, wie gesagt, Privatsache und ist auch gut so. Wer hat diesen Wein schon gekostet? Ist das ein berühmter Wein? Rhetorisch gefragt, wer kam schon in den Genuss dieses Weines? Das ist ein berühmter Wein heute, ein ausgefeilter Wein. Es gibt ihn in Rot und Weiss. Es gibt natürlich die Kläfnersorte, es gibt Rieslings in Wanner und so weiter. Also der Schipfwein ist wirklich empfehlenswert. Ich muss aber sagen, dass ein berühmter Gast, der 1946 hier war, diesen Schipfwein damals, muss man auch sagen, nicht besonders genossen hat. Wer ist dieser Gast oder wer war dieser Gast 1946? Es handelt sich um den britischen Kriegspremier Winston Churchill. Er weilte nämlich 1946 auf Einladung von Privaten, auch von Firmen in der Schweiz. Er hat wesentlichen Ferien gemacht am Genfersee, hat da auch gemalt, aber es waren dann auch offizielle Termine eingeplant. So fuhr er dann mit dem sogenannten Roten Pfeil, diesem Eisenbahnzug, nach Bern, wo es einen Offiziell Empfang gab natürlich auch ein Umzug durch die Altstadt von Bern und dann ging es weiter nach Zürich. Zwischen dem 18. und dem 20. September 1946 weilte Vincent Churchill im Hotel Burak in Zürich und ist dann begeistert empfangen und gefeiert worden. Es gab eine wirkliche Churchill-Mania, er ist gefeiert worden wie ein Popstar. Er war allerdings übermüdet an diesem Tag, hat bis um 7 Uhr an seiner berühmten Rede geschrieben, die er dann in der Aula der Universität Zürich gehalten hat, an diesem 19. September 1946, «Let Europe Arise», diese berühmte Europarede, der Aufruf zur europäischen Einigung, wobei ja die Briten damals noch nicht dabei waren. haben wollte. Dann ging es weiter in einem Umzug auf den Münsterhof, wo ihn eine riesige und begeisterte Menge empfangen hat, auch auf den Strassen zuvor. Er hat sein Wigteri-Zeichen gemacht und hat zur Freude des Publikums, auch was er oft hat, auf seinen Stock seinen Hut gesetzt und so dem Publikum zugewinkt. Am Abend ging es dann zu einem Abendessen hier in die Schipf. Auch da war... Churchill vom Programm überfordert. Man hat damals viel zu viel von diesem 72-jährigen Mann verlangt. Er war einigermassen müde und wie gesagt, der Wein hat ihm nicht besonders behagt. Er hätte wohl lieber einen Bordeaux getrunken. Und auch die Aufführung von Elsie Attenhofer, ein Cabaret, hat er relativ unwirsch dann weggewiesen. Und ansonsten allerdings verlief dieses Abendessen, glaube ich, in Minne. Er hat sich dann auch ins Besucherbuch der Schipf eingetragen. Wer war da sonst noch dabei bei diesem Abendessen? Da waren natürlich Offizielle dabei. Da war der damalige Regierungspräsident Hans Streuli dabei. Da war sicher auch der Stadtpräsident von Zürich dabei. Und überhaupt die Offiziellen, die dann eben dabei sein konnten und wollten. Ganz gewiss auch der Rektor der Universität Zürich. Wobei es da bei der Universität Zürich einige Unstimmigkeiten gab. Man wollte ihm eigentlich einen Ehrendoktor überreichen, aber es gab da Widerstand. Die einen sagten, das ist gegen die Neutralität, andere meinten, man muss aufpassen bei Politikern. Wir haben auch in Lausanne Mussolini den Ehrendoktor verliehen. Das ist wohl nicht ganz zu vergleichen. Es gab dann auch deutschfreundliche, sogenannte nazifreundliche Stimmen, die natürlich gegen Churchill waren, einige wenige. Also es musste fast Einstimmigkeit herrschen und das hat man nicht hingekriegt. Das hat vielleicht Churchill ein bisschen verstimmt, dass hier ein Ehrendoktor nicht gelungen ist. Also man kann festhalten, hier in der Schipf hinter uns ein sehr erfreulicher, historischer Besuch und ein anderer eher, ja... Nicht ganz missmütiger, aber zumindest nicht zur vollen Zufriedenheit von Churchill. Das kann man vielleicht sagen. Er war aber wirklich auch übermüdet und überfordert. Man hat diesem doch nicht mehr ganz jungen Mann eben einfach zu viele offizielle Termine zugetraut. Er hat dann an diesem Tag auch den Presseempfang gestrichen, der auch noch vorgesehen war. Was aber sicher ist, er hat das Bad in der Menge und diesen unglaublich begeisterten Empfang durch die Zürcher Bevölkerung. durchaus genossen. Dabei war auch seine Tochter. Seine Frau hat sich leider in der Westschweiz verletzt und konnte dann nicht dabei sein. Was haben wir vergessen? Was gibt es sonst noch über dieses Landhausschiff zu sagen? Was ist da sonst noch wichtig, dass es zu einem Meilenstein der Schweizer Geschichte wird? Es sind natürlich diese beiden bedeutenden Besuche, aber ich glaube auch, es ist ein typisches Beispiel für Landsgüter, wie sie eben die durch den Textilhandel, durch die Seidenproduktion reich gewordenen Zürcher politischen Führer und wirtschaftlichen Führer gebaut haben, hier am Zürichsee, um die Sommermonate zu verleben. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Samstag. Bis zum nächsten Mal bei Meilensteine der Schweizer Geschichte und auch Weltwoche DEL Spezial. Vielen herzlichen Dank. 2020

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Étapes marquantes de l'histoire suisse: le Prof. Christoph Mörgeli à propos du domaine de Schipf et des visites historiques de Goethe et Churchill

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