Musik Grüezi wieder an, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily Spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller, neben mir bereits jetzt schon Professor Christoph Mörgeli, der Weltwoche Haushistoriker. Wir befinden uns heute in Zürich, in der Altstadt. Lieber Christoph, was ist der Meilenstein der... Schweizer Geschichte heute, was ist das Thema? Grüezi miteinander. In diesem Haus, benannt zum Goldenen Winkel, erbaut übrigens 1545, hat Gottfried Keller am 19. Juli 1819 das Licht der Welt erblickt. Wer war, naiv gefragt, wer war Gottfried Keller? Gottfried Keller ist ein ganz, ganz wichtiger Autor des... Realismus im 19. Jahrhundert, bekannt im gesamten deutschsprachigen Raum, meine ich, und natürlich besonders verehrt bis heute in der Schweiz, speziell in Zürich, im Kanton Zürich, dem er ja viele Jahre lang auch in politischen und verwaltungstechnischen Beziehungen gedient hat. Wofür steht Gottfried Keller? Was ist sein Lebenswerk aus deiner Sicht? Gottfried Keller hat verschiedene enorm wichtige Werke geschaffen. Da ist nicht nur sein Romanwerk, allen voran natürlich der Bildungsroman Grüner Heinrich. Da sind auch andere Romane zu nennen, da sind bekannte Novellen und da ist auch sein poetisches Werk, er war auch als Dichter ausserordentlich wichtig. Blicken wir zurück auf seine Jugendjahre. Wie ist er aufgewachsen hier in Zürich? Arm, reich, was war er für ein junger Knabe? Was hat ihn geprägt? Wir sehen, dieses Haus ist sehr bescheiden. Sein Vater hat das erworben. Er war ein Drexlermeister, ein Handwerker aus Gladfelden, also aus der Zürcher Landschaft, aus dem Zürcher Unterland. Er hat aber eine Stadtbürgerin, eine Stadtzürcherin geheiratet. Die Tochter des Glattfelder Arztes namens Scheuchzer, das war eine ehemals eben verbürgerte Stadtfamilie. Und so zog man in diese Stadt, wo man bessere Aufstiegschancen witterte. Die Familie ist allerdings nicht lange hier geblieben. Gottfried Keller war erst gut zweijährig, als man weiterzog am Rindermarkt ebenfalls. ins Haus zur Sichel und da hat dann die Familie länger gewohnt. Überschattet wurde allerdings diese Jugend schon sehr früh. Gottfried Keller war noch kaum fünfjährig, als sein Vater starb. An der damals weit verbreiteten Tuberkulose in jungen Jahren. Er war ein aufgeschlossener Mann, er war liberal gesinnt und er war sehr für den Fortschritt, hat sich auch für Bildungsfragen interessiert. und wollte ausdrücklich, dass sein Sohn in der Armenschule gebildet wird, damit er eben auch sieht, wie andere Knaben, die es nicht sehr gut haben, erzogen werden. Und das hat dann auch tatsächlich so stattgefunden? Das hat dann so stattgefunden. Die Mutter versuchte, das Geschäft weiterzuführen. Sie hat sich dann verheiratet mit einem Angestellten, mit einem Jakob. Das ging aber nicht gut. Die Ehe wurde wieder geschieden nach relativ kurzer Zeit. Und im Roman der Grüne Heinrich spricht Heinrich ans Kameraden, sagen, was ist das für ein Mann dort am Fenster? Ist das dein Vater? Die Antwort lautet, nein, mein Vater ist gestorben und das ist nur ein fremder Mann. Also er war ein Fremdling, er hat sich mit diesem zweiten Vater getroffen. nie anfreunden können. Sein Vater als leitende Figur hat ihm sicher Zeitlebens gefehlt. War das absehbar, dass Gottfried Keller als Dichter, als Nationalschriftsteller, Nationaldichter so heraussticht? War er ein Genie schon in jungen Jahren? Oder wie verlief seine Jugend? Er war sicher ein sehr fantasievoller Knabe, der wirklich vieles bedachte, sehr kreativ auch. Nicht nur eben was das Schreiben betrifft, sondern auch zeichnerisch. Ein sehr frühes Talent und er konnte dann in die Industrie Schule. Das war eigentlich auch für Bürgersöhne, aber eben auch für Leute aus der Landschaft. Es ist damals die Zeit des Liberalismus, als man eben die Schranken zwischen Stadt und Land niederreissen wollte. Und das Tragische war, dass Gottfried Keller als junger Gymnasiast, könnte man sagen, einen Zug ordnete, der gegen einen etwas überforderten Landlehrer inszeniert wurde von den Stadt. Jugendlichen und er sah sich da plötzlich in der Rolle eines Ordners und eines Vorschlagers von einem Lied, das man singen soll. Und so hat dann die Schulleitung beschlossen, dass er aus dieser Industrie-Schule geworfen wurde. Und das war eine geistige Köpfung, eine sehr brutale Aktion. Vielleicht hat man sich eben auch hier an einem Knaben ein bisschen abreagiert, der eben keinen Vater hatte. wo sich das Elternhaus nicht richtig zur Wehr setzen konnte. Und dann, wie konnte er wieder aufstehen? Wie hat er sich aufgerafft? Das war dann nicht ganz einfach. Der Bildungsgang wurde wirklich unterbrochen und er hat sich entschieden, Kunstmaler zu werden. Die Mutter hat sich immer aufgeopfert. Es war auch eine Schwester da, die Regula. Und man hat versucht, diese Ausbildung auch zu finanzieren. Die Mutter ist eigentlich eine verschämte Arme, die immer auch Kostgänger hatte, die bewirtet hat, die Mieter hatte und so versuchte, sich über Wasser zu halten. Aber es war sehr, sehr schwierig. Und Gottfried Keller versuchte, Maler zu werden, hat sich dann nach ersten Anfängen bei Lehrmeistern auch in München weitergebildet, 1840 bis 1842. Da gehungert war wirklich eine schwierige Zeit. Die Mutter hat ihm hin und wieder auf dringendes Ersuchen des Sohnes etwas Geld geschickt, das man sich aber selber am Mund absparen musste. Und Gottfried Keller ist dann eigentlich zurückgekehrt als gescheiterter Maler. Er hat gemerkt, da bringe ich es nicht zu grosser Meisterschaft und hat begonnen zu dichten. Es war eine politisch aufgeregte Zeit. Die Konservativen gegen die Liberalen. Freisinnigen, die Radikalen, wie immer man sie nannte. Und Gottfried Keller war da ganz auf der Seite der liberal-radikalen. Was zeichnete ihn aus im Dichten? War es seine Sprachfertigkeit oder war es die politische Dimension? Warum wurde er schliesslich berühmt? Es war beides. Er hat sich dann später über die Heftigkeit seiner politischen... Poesie fast ein bisschen geschämt. Er hat da wirkliche Hassgedichte gegen die Jesuiten geschrieben, gegen die Konservativen. Es geht ja damals auf den Sonderbundskrieg zu. Damit gewann er ein gewisses Ansehen in liberalen Kreisen, wurde teilweise auch gedruckt in Zeitungen. Aber er hatte auch eine andere Seite, hatte sehr, sehr viel Sinn für Poesie, was Gefühle betrifft, was Naturbetrachtungen betrifft. was eine tiefere Weltanschauung betrifft. Und hier war er wirklich früh schon gereift und auch sehr, sehr stark. Gibt es einen politischen Weckmoment im Gottfried Kellers Leben? Ich meine, er hat dann begriffen, dass eigentlich sein Vater eben ein Liberaler war und das war ihm immer sein grosses Vorbild. Er ist gewissermassen Zwitter zwischen Stadt und Land, hat sich dann aber wirklich für die liberale Sache... entschieden. Und als dann der Bundesstaat gegründet wurde 1848, sah er sich eigentlich versöhnt mit seinen politischen Anliegen. Das merkt man dann auch in seinen Schriften, Fähnlein der sieben Aufrechten, dass jetzt eben die Zeiten der Kämpfe vorbei sind, dass man sich finden muss, dass man wieder zusammenstehen muss. Gottfried Keller hat das auch bedichtet etwa. mit den Strophen, so nun der Streit gestritten ist, so sind wir wie ein Mann, ein Mann, der sich bezwungen hat und niemand geht's was an. Was ist sein Werk, das ihm erstmals für Aufsehen gesorgt hat, das den Durchbruch für ihn bedeutete? Das ist eindeutig sein Bildungsroman, der grüne Heinrich, der ist entstanden nach dem Keller. 1848 bis 1850 in Heidelberg sich weiterbilden konnte, dort Vorlesungen besucht hat an der Universität. Das war auch wichtig eigentlich für seine Einstellung zur Religion. Er hat bei Feuerbach studiert, er war dann künftig ein Atheist, der allerdings nie über das Christentum gespottet hat oder sich darüber erhoben hätte, aber er war ein Skeptiker dann, er war sehr realistisch. Seine Weltanschauung bestand darin, dass er sagte, wir müssen das hier und jetzt im Diesseits richtig ausfüllen und können uns nicht aufs Jenseits verlassen. Und dann zwischen 1850 und 1855 weilt er für längere Zeit in Berlin. Auch da hat er sich weitergebildet und da ist im Wesentlichen eben dieser Grüne Heinrich entstanden. Wiederum ein Stipendium der liberalen Regierung. Man hat in diesem Gottfried Keller etwas. etwas gesehen, man sah Potenzial und hat ihm dann eben auch finanziell geholfen. Was hat das mit ihm persönlich gemacht, wenn man bedenkt, dass er... Rausgekegelt wurde aus der Schule, dann gescheiterter Kunstmaler und dann plötzlich berühmt wurde mit seinen Schriften, mit Büchern, Dicht, Gedichten. Was hat das mit ihm persönlich menschlich gemacht? Das hat ihn sicher geprägt, das war für ihn wichtig und hat natürlich auch seine Schuldgefühle ein Stück weit entwickelt gegenüber der Mutter und der Schwester, die auf vieles verzichtet haben. Subo seinen Gunsten. Er wusste, dass so eine geistige Köpfung, ein solcher Wegweisentscheid aus einer Schule sehr, sehr einschneidend ist und hat das eigentlich nie begriffen. Ich glaube zu Recht, das muss man sich sehr, sehr gut überlegen, einen solchen Schritt zu tun. Das war ein wichtiger Einschnitt, aber hat sich dann das später bildungsmässig alles halt nachholen müssen auf eigene Faust. Und das ist ihm gelungen, weil er natürlich überdurchschnittlich interessiert, intelligent und aufnahmefähig war. Was war die Quelle seiner Inspiration? Wo hat er sich orientiert? Was hat ihn inspiriert? Vielleicht auch Personen? Wo hat er hinaufgeblickt? Er hatte natürlich schon Vorbilder in der Poesie einerseits, da waren auch politische Vorbilder, Freiheits... Dichter, Gottfried Keller hat auch eine ganze Reihe von Freiheits- und Festgedichten geschrieben, Gelegenheitsgedichte zu Festlichkeiten. Das war ihm wichtig, nationale Feiern. Es ist die Zeit der Nationalbegeisterung, des Nationalbewusstseins. Die Sängervereine haben ihre Feste gefeiert, die Schützenvereine, die Turnvereine und so weiter. Also das war eine... grosse Festkultur und im Sommer glich die Schweiz manchmal einer einzigen Festhütte und Gottfried Keller hat da gerne mitgetan. Er fühlte sich da wohl. Wie würdest du sein Verhältnis zur Schweiz beschreiben? Gottfried Keller war ein grosser Patriot und er hat auch entsprechende Gedichte geschrieben, die dann zum Teil auch vertont wurden. Oh mein Heimatland ist ein sehr viel gesungenes oder früher viel gesungenes Lied. Er hat Er hat erst in der Fremde gemerkt, was er an der Heimat hat. Wie gesagt, er hat viele Jahre in Deutschland verbracht. Er hat nach das natürlich auch perfekt Hochdeutsch gesprochen und geschrieben. Und sein Verhältnis zu Zürich? Sein Verhältnis zu Zürich war eng. Er hat sich mit dieser Stadt und mit dem Stadtstaat, wie er früher mal war, dann dem Kanton Zürich, aufs Engste identifiziert. er hatte hier Viele Kollegen, viele Schulkollegen, die auch politisch Karriere machten oder eben auch Alterskollegen im gleichen Jahr wie Gottfried Keller geboren, ist der grosse Alfred Escher, der sich zum eminenten Staatsmann und Wirtschaftsführer entwickelt hat und der Gottfried Keller, auch wenn man gelegentlich politisch nicht gleicher Meinung war, auch immer gefördert hat. Waren das Freunde? Freunde ist zu viel gesagt, aber sicher hat man sich anerkannt gegenseitig, denn Gottfried Keller wusste auch, was Alfred Escher geleistet hat, obwohl er eigentlich gegen dieses System Escher auch eine Weile lang polemisiert hat, nämlich eben diese Repräsentativdemokratie, wo zwar alle paar Jahre gewählt werden durfte, aber nachher dann diese Wirtschaftsführer schalteten und walteten. wie sie wollten, sicher auch in der Überzeugung, dass der Bildungsstand der breiten Bevölkerung noch nicht so weit ist. Und da war dann Gottfried Keller eher für Demokratisierungstendenzen, aber eine demokratische Bewegung, wie sie dann über den Kanton Zürich hereinbrach, mit Direktor, Volkswahl, der Regierungsräte, mit auch Sachabstimmungen, Referenden später, Initiativen. Das ging ihm auch zu weit, da blieb er eigentlich liberal. Er war dann aber recht erstaunt, dass das Volk die entsprechende Reife zeigte und dass dieser Übergang zur direkten Demokratie seit den ausgehenden 1860er, beginnenden 70er Jahre relativ gut vonstatten ging. Was war Gottfried Keller für ein Typ? Wie würdest du seinen Charakter beschreiben? Gottfried Keller war ein sicher eigensinniger, kauziger Charakter. Es konnte ihn etwas unglaublich in Rage, in Zorn versetzen, manchmal auch unter dem Eindruck eines bösen Weins, wie er da sagte. Er hat sicher dem Alkohol gerne zugesprochen. Er hatte auch eigentlich eine Häuslichkeit. nicht erlebt. Die Mutter später, dann die Schwester haben ihm den Haushalt besorgt, waren aber sehr unpoetische Naturen und man hat sich da gegenseitig angebrummt. Und so hat er halt auch viel Zeit in den Wirtshäusern verbracht. Und das hat sicher auch seine Sicht auf die Welt ein bisschen geprägt, denn sein Leben war durchzogen von unglückseligen Liebschaften. Wollte ich gerade fragen, Gottfried Keller und die Frauen, gibt es da auch Episoden? Gottfried Keller war sehr klein gewachsen, also er hatte sehr kurze Beine, war keine 1,50m gross und hat sich unglücklicherweise immer in grossgewachsene, stattliche, schöne Frauen verliebt. Und das verlief in der Regel unglücklich und einseitig. Er hat dann später sich mit einer jungen Frau, die... wesentlich jünger war als er, Luise Scheidecker, aus dem bernischen Herzogenbuchsee, verlobt. Und da war die Tragik, dass sie las, er hätte irgendwo wieder mal Händel gehabt auf der Strasse, in einem öffentlichen Blatt und die junge Frau hat sich dann das Leben genommen. Das war natürlich eine schreckliche Erfahrung und Gottfried Keller ist dann zeitlebensledig geblieben. Was ist seine grösste Leistung für die Schweiz? Seine ganz grosse Leistung ist sicher, dass er der eigentliche Dichter war, dieses jungen Nationalstaates. Also er war der Schutzgeist des Vaterlandes, wie es Konrad Ferdinand Mayer, sein Kollege, mit dem er in einem prekären Verhältnis lebte, bezeichnet hat. Also die Schweiz, der junge Bundesstaat ohne Gottfried Keller als dessen Besinger, dessen Bedichter, ist schwerlich vorstellbar. Und er hat... Er hat dann auch eine unglaubliche Popularität erhalten in der ganzen Schweiz, dann später auch in der Urschweiz, die ja ursprünglich die Gegner waren als konservative Kantone, auch im Sonderbundskrieg. Aber er hatte wirklich eine ganz, ganz wichtige Funktion, was die Schweiz betrifft, was man zu wenig weiss. Gottfried Keller war auch Politiker, er war viele Jahre Mitglied des zürcherischen Kantonsparlaments. und er wurde dann Das war dann seine erste eigentliche Brotstelle. 1861 hat ihm die liberale Regierung das bestbesoldete Beamtenamt im Kanton Zürich zugehalten und er hat das übernommen und bis 1876 mit vorbildlicher Pflichterfüllung versehen. Wurde reich dadurch, nehme ich an. Reich wurde er dadurch nicht unbedingt, aber er konnte problemlos dann Mutter und Schwester versorgen. Das war ihm ein Anliegen, der sich so lange eigentlich das Brot vom Mund absparen musste. Wir können uns das heute gar nicht mehr vorstellen, wenn man Hunger leidet, was er wirklich erlebt hat in seiner Jugend. Und man hat ihm gesagt, du bist zwar Poet, aber du brauchst einen Brotberuf. Und er hat das verstanden, er hat das sicher auch akzeptiert. Er hat das sehr gut gemacht. Er war ein bedeutender Staatsschreiber, hat auch die Protokolle der Regierung, teilweise des Kantonsparlaments, aufgenommen und ebenso auch politisch mitgewirkt. Was hat der damalige Nationaldichter? Was hat ihn an der Schweiz fasziniert? Was hat er da besonders inspirierend, genial gefunden? Was war für Gottfried Keller die Genialität der Schweiz? Es war sicher die Unabhängigkeit und die Freiheit. Und er hat natürlich auch die Gründungssage, den Gründungsmythos sehr geschätzt. Es ist ein doppelter Mythos. Einerseits der Tyrannenmörder, der Einzelgänger Wilhelm Tell. Andererseits das Zusammenstehen. Gemeinschaftliche, das Genossenschaftliche, des Rütlischwurs. Und das hat er auch bedichtet und besungen, er hat gesagt, ob sie geschehen, das ist hier nicht zu fragen. Die Quelle jeder Sage ist der Sinn. Das sei eben das Wesentliche, was dahinter steckt, ob das jetzt so genau sich zugetragen hat, ist gar nicht zu entscheiden. Und wie wichtig war Gottfried Keller unter dem Strich für die Scheinz? Wie würdest du das irgendwie Für sinnbildlichen Einschätzen? Er war natürlich sehr wichtig, auch für die Aussenwahrnehmung. Gottfried Keller ist ja in Deutschland ausserordentlich stark gelesen worden. Er hatte auch seine Verleger in Deutschland, seine Gedichte sind da erschienen, sein Grüne Heinrich, es kam dann auch eine zweite Fassung. Er hatte dann aber auch Werke, die sich mehr dann mit der Schweiz beschäftigten, die aber ebenfalls in Deutschland grossen Anklang. Die Leute von Seldwila beispielsweise, zweimal erschienen, ein erster Teil 1856 und dann nochmal 1875, der zweite Teil der Leute von Seldwila. Die Züricher Novellen, die erschienen sind, die sieben Legenden, das Singedicht, all das waren Werke, die eben im ganzen deutschen Sprachraum beachtet wurden und vor allem auffallend und geschätzt. wurde Gottfried Kellers Humor. Er hat eben immer in seinem Werk eine Art Humor, die eben gefiel, die mehrheitsfähig war und die sich eigentlich durchsetzte. Auch im deutschen Sprachraub ist Gottfried Kellers Humor ausserordentlich geschätzt worden. Wie würdest du diese Art des Witzes, des Schalks, des Humores beschreiben von Gottfried Keller? Es ist einfach ein Humor, der eigentlich Nicht schwarz ist, der nicht makaber ist, der nicht unbedingt auf Kosten anderer geht, der nicht bösartig ist, aber einfach ein menschlicher Humor, wo eben auch die Humanität immer wieder aufblitzt. Die menschlichen Schwächen sind ihm nicht verborgen geblieben. Er hatte eine Vorliebe für Schrullen, er hatte eine Vorliebe für kauzige Menschen, hat dann aber natürlich auch das Gegenteil, also Charakterlumpen. sehr scharf gezeichnet oder irgendwelche sonstigen Defizite, die er natürlich auch festgestellt hat, an seinen Mitmenschen. Was ist für dich persönlich das grösste Werk von Gottfried Keller? Ich schätze ausserordentlich seine Novellen, zum Beispiel Spiegel das Kätzchen finde ich eine geniale Novelle. Da spielt ein Tier die Hauptrolle, kommt sonst bei Gottfried Keller nicht vor. Ich staune aber auch immer wieder, wie er das Essen, das behagliche Essen und Trinken beschreibt. Das kann nur jemand, für den das eben natürlich eine existenzielle Erfahrung ist, wenn das ausbleibt. Und das hat er mit viel Behagen gemacht. Wir könnten natürlich noch stundenlang über Gottfried Keller sprechen. Was ist für dich noch wichtig, was wir bis jetzt noch nicht angesprochen haben? Da gäbe es natürlich sehr viel. Gottfried Keller hat als Politiker Spuren hinterlassen. Er hat als Dichter seiner Heimat, aber weit darüber hinaus auch Spuren hinterlassen. Seine Gedichte sind heute noch berührend, anrührend vielfach. Natürlich ist auch einiges Zeitgeistiges drin. Er hat sich ein bisschen in die Netzstern gesetzt, als er dann nach der deutschen Einigung mal bei einer Rede gesagt hat. Er könne sich vorstellen, dass die Schweiz dann irgendwann wieder sich ins deutsche Vaterland eingliedere. Das musste er dann irgendwie ein bisschen wieder richtigstellen. Das hat einen Entrüstungssturm veranlasst. Er war sicher nach Deutschland ausgerichtet, natürlich auch durch seine verlegerische Tätigkeit. Aber er hat das dann wieder ausgleichen können. Auch das manchmal halt ein Glas zu viel. und es gibt da entsprechend Lustige Anekdoten. Eine kommt mir gerade in den Sinn, als er mal wieder durch die Gassen schwankte. Da wurde er aufmerksam auf einen anderen Passanten und hat ihn gefragt, wo wohnt denn der Gottfried Keller? Und dieser hat ihn angeschaut und gesagt, aber Herr Staatsschreiber, das sind Sie ja selber. Worauf er ihn anschrie, ich habe Sie nicht gefragt, wer ich bin, ich habe Sie gefragt, wo ich wohne. Aber ansonsten durchzieht eigentlich natürlich nicht nur Humor sein Leben, sondern die Schuldfrage. Also die Schuld ist für ihn ein zentrales Thema. Er fühlt sich schuldig gegenüber der Mutter, gegenüber der Schwester, gegenüber der Verlobten, auch gegenüber dem Staat sicher, wo er sich eben dann verpflichtet fühlte, als Staatsschreiber zu arbeiten. Vielleicht war er auch etwas schuldig gegenüber seinem Werk, das er vernachlässigen musste in dieser Amtsstellung. Jedenfalls war sein letztes Wort, so wie es berichtet wird, auf dem Totenbett, als er dann im Jahr 1890 verstarb, Ich dulde. Ich schulde. Lieber Christoph, wahnsinnig interessant. Danke für deine Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende, einen schönen Samstag und bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily Spezial und Meilensteine der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank und alles Gute.
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