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«Keine Sonderbehandlung, sondern Echtheit»: Nadine Friedli, General Manager des Hotels «The Alpina Gstaad» über Beruf, Berufung, VIPs und die Schweizer Luxushotellerie im internationalen Vergleich

Anfang März vergangenen Jahres wurde der Posten des General Managers im «The Alpina Gstaad», Aufsteiger dieses Jahres, frei. Ausgeschrieben wurde er nicht. Denn wie es so ist, hatte sich rasch herumgesprochen, dass eine der begehrtesten Stellen in der europäischen Luxus-Ferienhotellerie neu zu besetzen sei. Interessenten meldeten sich gleich reihenweise. Doch der einheimische Immobilienkönig Marcel Bach und der in Gstaad verwurzelte französische Unternehmer Jean-Claude Mimran, die das Hotel vor dreizehn Jahren für 300 Millionen Franken erbaut hatten, entschieden sich für Nadine Friedli. Die Überraschung war gross. Denn die junge Bernerin hatte noch nie ein Spitzenhotel geführt. Schon gar nicht eines vom Kaliber des «The Alpina Gstaad». Doch sie reüssierte. Dank Willensstärke, Freude und Leidenschaft. Noch nie war das luxuriöse Mammut-Chalet mit der Silhouette eines Grandhotels so gut wie heute.

The Alpina Gstaad
«Wir sind Tüftler, Träumer und Macher»: General Manager Friedli.
The Alpina Gstaad

WW Magazin: Nadine Friedli, als Sie vor bald zwei Jahren an die Spitze vom «The Alpina Gstaad» berufen wurden, ging für Sie ein Traum in Erfüllung. Ist der Traum nie geplatzt?

Nadine Friedli: Nein, im Gegenteil, er ist mit der Zeit noch schöner geworden. Ich habe einen Traumberuf, wobei ich eher von Berufung sprechen würde. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und unzählige schöne Momente.

Sie gelten als ebenso charmante wie zähe Kämpferin mit klaren Zielen. Wie wichtig ist Durchsetzungsvermögen in Ihrem Job?

Durchsetzungsvermögen ist von zentraler Bedeutung. Es müssen klare Entscheidungen getroffen werden, ohne die Perspektiven und Bedürfnisse des Teams ausser Acht zu lassen. Nur so schafft man auch das nötige Vertrauen und kann gemeinsam wachsen.

Im «The Alpina Gstaad» steigen Berühmtheiten wie Madonna oder Elton John ab. Erwarten diese Gäste Sonderbehandlungen?

Unsere Gäste, ob prominent oder nicht, kommen zu uns, weil sie Authentizität, Diskretion und höchste Qualität suchen und schätzen. Sie wünschen keine Sonderbehandlung, sondern Echtheit. Sie bevorzugen eine ruhige, unaufdringliche Atmosphäre und Begegnungen auf Augenhöhe. Bei uns finden sie ein Zuhause fernab von ihrem Zuhause.

Gibt es Gäste, die in gewissen Situationen Mühe damit haben, dass eine Frau der Herr im Haus ist?

Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Kompetenz, Haltung und Glaubwürdigkeit überzeugen, egal ob Frau oder Mann. Ich bin dankbar, in einer Branche arbeiten zu dürfen, in der sich vieles positiv verändert hat, in der Führungsverantwortung für Frauen eine Selbstverständlichkeit ist.

Mussten Sie schon Gäste wegen ungebührlichen Benehmens des Hauses verweisen?

Bisher nicht. Wir setzen auf gegenseitigen Respekt und eine Kultur der Achtsamkeit, das spüren unsere Gäste. Sollte ein Eingreifen dennoch einmal nötig sein, handeln wir mit der gebotenen Diskretion und Professionalität.

Im März haben Marcel Bach und die Familie Mimran «The Alpina Gstaad» an eine amerikanische Investorenfamilie verkauft. Was hat sich für Sie damit geändert?

Im Alltag arbeiten wir weiterhin mit denselben Werten und derselben Vision. Die neuen Eigentümer stehen voll und ganz hinter unserem Ansatz, Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit auf höchstem Niveau zu verbinden. Es ist schön, zu sehen, dass wir den erfolgreich eingeschlagenen Weg weitergehen können.

Welches sind die grössten Herausforderungen für ein Weltklassehotel wie «The Alpina Gstaad»?

Das ist mein Lieblingsthema. «The Alpina Gstaad» ist ein Haus, das von Innovation lebt. Wir lieben es, Grenzen zu verschieben, neue Kooperationen einzugehen und Ideen zu entwickeln, die neu sind für die Hotellerie. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese oftmals visionären, manchmal auch verrückten Konzepte in die Realität umzusetzen. Doch genau darin liegt unsere Stärke. Stillstand ist für uns keine Option.

Kann man ein Hotel wie «The Alpina Gstaad» überhaupt noch weiterentwickeln?

Wir sind Tüftler, Träumer und Macher – eine seltene, aber tolle Kombination. In einem Haus wie unserem steht der Begriff «Exzellenz» für Perfektion und Leidenschaft, aber eben auch für die ständige Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. Gerade der Anspruch, sich immer wieder neu zu erfinden und zugleich echt zu bleiben, macht «The Alpina Gstaad» zu dem, was es für mich ist: einzigartig.

Und wie sieht die Weiterentwicklung konkret aus?

Es geht darum, das Erlebnis für unsere Gäste immer wieder neu zu optimieren durch intelligente Innovation, durch gelebte Nachhaltigkeit und durch die konsequente Verbindung von Ästhetik, Handwerk und Seele. Weiterentwicklung heisst, Trends nicht zu folgen, sondern sie intuitiv vorwegzunehmen und dabei die Essenz dessen zu bewahren, was «The Alpina Gstaad» so besonders macht.

Im März 2026 soll das «Park Gstaad» als «Four Seasons Gstaad» wiedereröffnet werden. Wie sehen Sie den Einstieg der edlen Hotelkette im Ort?

Positiv. Konkurrenz bereichert. Gstaad steht für Qualität, Diskretion, eine wunderbare Alpenlandschaft und ein unvergleichliches Lebensgefühl. Wenn weitere Häuser daraufsetzen, stärkt das den Standort als Ganzes.

Wie ist das Verhältnis der Gstaader Luxushoteliers untereinander?

Wir pflegen ein respektvolles, kollegiales Miteinander. Jeder hat seine eigene Handschrift, doch wir teilen dieselbe Leidenschaft für Gastfreundschaft und für unsere Region.

Wo sehen Sie die Schweizer Luxushotellerie im internationalen Vergleich?

Sie belegt ganz klar eine Spitzenposition im weltweiten Vergleich. Unsere Top­Hotellerie verbindet Tradition, Präzision, Innovation und echte Gastfreundschaft mit hoher Qualität. Sie steht für diskreten und unverfälschten Luxus, einen hohen Erholungswert und Sicherheit.

Wie wichtig ist Luxus für Sie persönlich?

Unter Luxus versteht ja jeder etwas anderes. Für mich bedeutet es aktuell, Zeit zu haben. Wahrer Luxus liegt für mich nicht im Materiellen, sondern in der Freiheit, bewusst zu leben, den Moment wirklich wahrnehmen und geniessen zu können.

In welchem Schweizer Hotel würden Sie am liebsten Ferien machen?

Ich schätze viele Häuser in unserem Land sehr, etwa für ihr Design, ihre Geschichte oder ihre Gastfreundschaft. Wichtig ist für mich, dass ein Hotel authentisch ist und mit Leidenschaft geführt wird. In allen Swiss-Deluxe­Hotels würde ich gerne meine Ferien verbringen.

Was sagen Sie Leuten, die es für verrückt halten, dass eine Nacht in einem Luxushotel tausend Franken oder mehr kostet?

Dass ein Aufenthalt in einem Haus wie «The Alpina Gstaad» weit, weit mehr bietet als eine einfache Übernachtung. Der Aufenthalt ist ein Gesamterlebnis, das Gastfreundschaft, Qualität, Handwerk und Leidenschaft verbindet. Hinter jedem Detail im Hotel steht ein Mensch, der mit Liebe dafür sorgt, dass der Gast restlos glücklich ist.

The Alpina Gstaad, Alpinastrasse 23, Gstaad; thealpinagstaad.ch

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