Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern, von wo aus auch immer Sie uns zuschauen mögen, sofern Sie uns hören. Ich begrüsse Sie zu einem weiteren Meilensteine-Podcast der Weltwoche, direkt aus Los Angeles, Hochbetrieb hier am Hollywood Boulevard. Am Boden sind die Stars verewigt. Dionne Warwick sehe ich zum Beispiel, Jennifer Garner, Stars und Sängerinnen aus der unmittelbaren Gegenwart. Das Pflaster ist hier tapeziert oder der Gehsteig ist gepflastert mit den Hollywood Stars. Und im Hintergrund erhebt sich eines der berühmtesten Gebäude dieser Stadt, ein ikonisches Kino, das Graumens Chinese Theater heute TCL, Chinese Theater genannt. Wir bleiben schön bei Grauman's Chinese Theater. Zwischen 1944 und 1946, wenn ich richtig informiert bin, fanden hier die Oscar-Verleihungen statt. Heute ist das etwas weiter von hier entfernt, im Dolby Theater, dort wo ich vor zwei Jahren die Ehre hatte, selber dabei zu sein. Eine perfekt organisierte Show. übrigens nicht mehr so woke wie in der unmittelbaren Vergangenheit. Ja, das Grown-Man-Theater im Herzen der Traumfabrik am Hollywood Boulevard verkörpert die Essenz, verkörpert im Grunde alles, worum es in Hollywood geht, nämlich sich selber neu zu erfinden, Fantasiewelten zu schaffen, an einem Ort an der kalifornischen Westküste. wo mal eine Wüste war und heute Träume und Sehnsüchte weltweit für ein gieriges Publikum fabriziert werden. Und eben, warum nicht ein chinesisches Theater? Es gab, es gibt auch ein Egyptian Theater und der Mann, der das gebaut hat, 1927 fertiggestellt, war der Kinounternehmer Sid Grauman. Damals konnte man mit diesen Lichtspielpalästen sehr, sehr viel Geld. Und sie haben nicht gespart, um dieses Chinese Theater hier aus dem Boden zu stampfen. Original-Bauteile auch aus China im Stil einer Pagode. Das ist also Dutzende von Metern hoch. Es gibt auch einen steinernen Drachen, der da aus dem Felsen gehauen wurde. Eine unglaubliche Willensleistung der Fantasie. Und im Eingangsbereich dieses Chinese Theater. finden sich dann auch die berühmten Handabdrücke der Hollywoodstars. Ein Touristenmagnet hier der allerobersten Hubraumklasse. Sid Grauman hat sein Kino dann bald einmal einem anderen Unternehmer verkauft, dem Ted Man, blieb aber selber bis 1950 der Geschäftsführer. Es hat dann noch ein paar Mal den Besitzer gewechselt und die Namensrechte sind zuletzt eben an einen... chinesischen Konzern TCL gegangen, ich glaube für etwa 5 Millionen US-Dollar. Das Chinese Theater ist für mich synonym mit Hollywood, ist für mich synonym eben mit dieser über sich selbst hinaussteigenden Qualität, wenn man so will, der Amerikaner. Ich habe das auch in einem anderen Podcast schon angesprochen. Nichts ist typischer für die USA als die Filmindustrie. Die USA Selber ein Land, das sich als Land der grenzenlosen Möglichkeiten bezeichnet und im Moment auch wieder einen Präsidenten hat, der diese grenzenlosen Möglichkeiten auszuschöpfen beabsichtigt, der abschüttelt da die Fesseln und Zwänge der politischen Korrektheit und all dieser Zeitgeisterscheinungen, die sich allerdings auch immer wieder im Hollywood-Kino abgebildet haben. Das ist ja ein Brennglas, ein Spiegel der menschlichen Seele. Und das macht vielleicht auch etwas die Gefahr aus, oder das, worüber man weltwochemässig kritisch nachdenken sollte. Denn das Kino, die Filmkunst hat die Eigenschaft, nicht alle, aber einige von uns, vor allem auch mich als ehemaliger Filmkritiker, tatsächlich intim zu berühren. Also die Amerikaner, die Filmregisseure aus der ganzen Welt, die Schauspieler haben es geschafft, sich in unser kollektives Unter... Bewusstsein und Bewusstsein einzuprägen, einzugraben, einzubrennen. Und deshalb muss man dem, was hier produziert wird, auch immer mit einer gewissen... Distanz gegenüberstehen. Die Narrative, die grossen Erzählungen von Gut und Böse, sie bestimmen natürlich auch die Art und Weise, wie wir über die Welt reden, wie wir über die Welt denken, wie wir die Welt sehen. Und man merkt zuweilen gar nicht, wie man da auf angenehmste Art und Weise manipuliert wird. Ich muss jetzt etwas meine Stimme anheben, denn hier an diesem Knotenpunkt des Tourismus und der Filmindustrie ist auch ein Busbahnhof, eine Busstation mit diesen berühmten gelben Bussen, die Sie da in Amerika sehen. Vor mir noch eine Kindergartenklasse. Sie schauen sich jetzt auch an, die Stars hier in Hollywood. Alle schön in Reihe und Glied, so wie es sich gehört, mit wunderbaren orangen Schuluniformen. Hollywood dringt in unsere Seelen ein, Hollywood dringt in unser Gehirn ein. Und deshalb, meine Damen und Herren, immer schön das Weltwoche-Kredo in Erinnerung behalten. Alles hinterfragen, was einem da abserviert wird. Und auch die Politik ist ja letztlich nichts anderes als ein Showgeschäft, der weniger gut aussieht. Da im Hintergrund haben wir jetzt gerade einen, der... grössten Stars von Hollywood der aktuellen Zeit mit einem neuen Film am Start, Brad Pitt, auch nicht mehr der jüngste, aber nach wie vor einer der sicheren Kassenmagneten hier am Hollywood Boulevard. Mit diesen Eindrücken, mit diesen Impressionen vom Grauman's Chinese Theatre, einer Fantasieleistung, einer Willensleistung des Vorstellungsvermögens, haben wir es gesagt. kommt etwas zum Ausdruck, was eben die Vereinigten Staaten im Guten wie auch im Schlechten auszeichnet. Die Amerikaner, die eben über sich hinaus zu steigen, über sich hinaus denken können und immer wieder aufzeigen, wie man sich auch neu erfinden kann. Das ist sehr, sehr inspirierend. Aber ich möchte an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass ich damit nicht sagen möchte, dass alle werden sollten wie die Amerikaner. oder dass dies das absolute Zivilisationsideal darstellt. Denn nein, das nicht. Aber es ist eine Inspiration, wie so vieles andere. Und letzte Woche war ich ja auf der anderen Seite der Erdkugel unterwegs, könnte man sagen, oder auf halbem Weg zwischen Los Angeles und Peking, stehen geblieben in St. Petersburg. Und auch die russische Zivilisation, die europäische Zivilisation, Beides gehört ja irgendwo dazu. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind sozusagen eine Fussnote der Europäer. Die Russen würde ich als Heimweh-Europäer bezeichnen, die sich auch manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht gekränkt fühlen dafür, dass sie von den Europäern, deren Kultur sie verinnerlicht haben, die sie auch geprägt haben, nicht so geschätzt und respektiert werden, wie sie das in ihren Augen. und auch in den Augen vieler anderer verdient hätten. Also anstatt in der heutigen Zeit, und das ist die wichtigste Botschaft jetzt, dieser Sendung, meine Damen und Herren, anstatt in der heutigen Zeit immer wieder das Trennende zu betonen, sich in den Wahnsinnskammern und Gummizellen der Politik zu verlieren, gilt es eben immer wieder auch an das zu erinnern, was uns verbindet. Und da haben wir in Russland sehr viel, die Kunst, die Kultur, die Hochkultur. Auch Europa hat vieles dazu beigetragen. Auch viel Schreckliches, an das wir uns erinnern. Und die Vereinigten Staaten von Amerika hier verkörpert in Los Angeles, in diesem Wüstenort, wo nichts war, wo man alles erfinden musste und wo man eben den kargen Landschaften, auch Gesamtkunstwerke der Fantasie abtrotzte, wie dieses grossartige Filmtheater. Das sind eben Ausprägungen der menschlichen Möglichkeiten, die in der Tat fast grenzenlos sind. Das sind Ausformungen auch der europäischen Kultur. Weiterungen, zum Teil auch Konterkarierungen. Auf jeden Fall etwas, was uns beflügelt und was uns immer wieder anregen kann, eben Verständnis zu entwickeln, auch für das Andere. Und das ist vielleicht mein letzter Punkt hier. Warum denn eigentlich Chinese Theater? Ja, da kommt eben auch die Faszination für das Andere zum Ausdruck. Und das ist... Vielleicht ein Merkmal der Kunst, der Kultur, der Filmkunst ganz insgesamt, dass sie eben Zugangsmöglichkeiten zum Anderen vermittelt. Dass sie uns die Möglichkeit gibt, den Kerker unseres eigenen Ichs zu verlassen. um in die Subjektivität, um in die Wahrnehmung anderer Menschen, anderer Kulturen, anderer Zivilisationen einzusteigen, um dann festzustellen, dass eben niemand die absolute Wahrheit für sich gebracht hat. Alle von uns haben vielleicht Abschnitte, Ausschnitte, Teile der Wahrheit erlickt oder das, was wir für die Wahrheit halten. Aber viele Menschen, natürlich auch ich als Journalist, neigen gelegentlich dazu, unsere Teilwahrheiten mit der ganzen abschliessenden, endgültigen, absoluten Wahrheit zu verwechseln. Aber davor wird gewarnt, meine Damen und Herren, und unsere Sendungen sind ja gewissermassen auch ein geistiges Gegenmittel, ein Gegengift gegen diese Seuche des Moralismus, wie ich ihn nenne, gegen eben diese dem Menschen auch wieder eingeprägte Neigung, seine Sicht zum alleinigen Mass der Dinge zu nehmen. Nein! Es gibt eben auch noch andere Sichtweisen. Und Hollywood in seinen besten Momenten ist getragen vom Wunsch, auch das Unverständliche menschlich greifbar zu machen. Das uns Fremde, das Abwägige, das Spektakuläre, das Abenteuerliche, das Verrückte, immer wieder Anknüpfungspunkte zu finden bei der Alltagssensibilität von uns Menschen, von allen Menschen. Und das ist auch der Grund dieses Einfühlungsvermögens, Und die sind... hohe Kunst der Einfühlung, des sich hineindenken, hineinfühlen Könnens in andere Zusammenhänge. Das ist der Grund, warum Hollywood so erfolgreich werden konnte. Wenn die Filmindustrie, wenn die Hollywoodbranche, wenn sie sich zum Instrument macht, der Verbarrikadierung des Geistes, der propagandistischen Verlautbarung und Verbreitung von Politparolen und Zeitgeist-Klischees, dann wird diese Industrie zugrunde gehen, weil sie die Leute nicht mehr ansprechen und nicht mehr inspirieren mag. Und deshalb ist dieses Chinese Theater hier ein Mahnmal. Und es ist auch ein Denkmal für noch etwas, was wir in dieser Sendung noch gar nicht erwähnt haben, nämlich es ist auch ein Tempel des Kapitalismus. und der Kapitalismus, die Marktwirtschaft. Viel geschmäht, viel kritisiert ist eben auch ein Wunderwerk, ist eben auch eine Errungenschaft unserer Zivilisation. Denn die Marktwirtschaft stellt sicher oder hält Korrekturmassnahmen, hält Korrekturinstrumente bereit, dass eben eine Industrie, die Geld verdienen will, immer wieder gezwungen ist, sich am Interesse, an den Obsessionen, an den Denkfehlern, am real existierenden Kunden zu orientieren. Und das ist die gute Nachricht, meine Damen und Herren. Wenn ich vorhin gerade gesagt habe, sollte Hollywood zum reinen Propaganda-Instrument herabsinken, was es zum Teil auch ist, immer wieder gewesen ist in seiner Geschichte, dann wird es nicht funktionieren. Aber zum Glück wollen alle, die an dieser Industrie beteiligt sind, am Ende des Tages auch noch Geld verdienen. Und darum... dürfen sie nicht sich selber in den Mittelpunkt stellen, sondern sie müssen sie in den Mittelpunkt stellen. Die Zuschauer, die potenziellen Kunden, die Leute, die sich interessieren sollten. Und das gilt auf bescheidener Stufe natürlich. Wir sind keine weltumspannende Industrie. Die Weltwoche ist jetzt nicht ein Brand- und Householdname wie das Grumman's Chinese Theatre. Es bilden auch nicht hunderttausende von Touristen jährlich. zu unserer Redaktion, wobei doch einige sich da immer wieder aufhalten und mit Freuden feststellen, ah hier ist also, nein, Spass beiseite, nein, solange das eben der Fall ist, werden die Filme immer das Spiegelbild auch dessen sein, was die Kunden wollen. Der Kunde ist eben König in der Wirtschaft, im Film, auch in den Medien und eben das Credo der Weltwoche auch, was interessiert die Leute? Womit können wir sie inspirieren? Womit können wir ihnen für ihr Leben, für ihr Denken einen hoffentlich nützlichen Anstoss bieten? Und das ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Aber die Welt ist ja so interessant, meine Damen und Herren. Und man erblickt, wo man auch immer hingeht, spannende Facetten. Und mit diesen erbaulichen... Mit diesen erbaulichen... Schlussbemerkungen möchte ich hier beim Chinese Theater von Sid Grauman, dem Unternehmer Sid Grauman, bewenden lassen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und... Spannende Inspirationen auch im weiteren Vorgang. Ich melde mich zurück und freue mich auf unser Wiedersehen. Bis bald.
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