Es war vor zwei Wochen. Es war sehr heiss wie heute. Da habe ich gedacht, dann gehe ich ins Frauenbad. Ich bin reingetreten und sofort ist die Dame, die Badmeisterin, zu mir gekommen, also aufgesprungen, zu mir gerannt. Sie hat mir sofort gesagt, nein, nein, nein, das geht nicht, das ist nur für Frauen. Dann habe ich gesagt, ja, ich bin aber eine Frau, ich darf da. Ich habe ihr alle Dokumente gezeigt, die amtlich beweisen, dass ich eine Frau bin. Sie hat gesagt, nein, nein, nein, geht nicht. Ja, sie hat mich dann gesagt, ja, aber ich sehe das, ich sehe, dass Sie offiziell eine Frau sind, aber ich lese Sie als Mann. Also ist das eine willkürliche, freie Definition? Darf, kann jeder das Geschlecht vom anderen selber bestimmen? Haben Sie sich verletzt gefühlt? Also man wird aufgrund vom Aussehen diskriminiert. Und das von der Stadt Zürich, die sich so offen und tolerant und inklusiv präsentieren will. Grüezi miteinander. Ich begrüsse Sie ganz erst zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily Spezial. Mein Name ist Roman Zeller und ich begrüsse heute in unserer Sendung einen hochinteressanten Gast. Es ist Pierre Moré. Hintergrund muss man vielleicht noch sagen, wir befinden uns in Zürich. Hinter uns sehen Sie das Frauenbad, das seit 1837 ausschliesslich ein sogenannter Safe Space für Frauen ist. Das hat unlängst die NZZ beschrieben. Die NZZ hat auch Bezug genommen auf einen Artikel, den Pierre Moré geschrieben hat auf dem Portal Inside Paradeplatz. Und zwar hat Pierre Moré Anfang dieses Jahres sein Geschlecht von Mann zu Frau. von männlich zu weiblich gewechselt, um dann zu versuchen, in dieses städtische, also staatliche Freibad in Zürich zu kommen. Das wurde ihm verwehrt. Herr Mohre, vielen herzlichen Dank, dass Sie Zeit haben. Vielleicht erst Frau Mohre, entschuldigen Sie bitte. Sie haben hier versucht, ins Frauenbad zu kommen. Erzählen Sie, wie ist es Ihnen ergangen für all jene, die mit diesem Fall nicht vertraut sind? Was haben Sie da erlebt? Ja, es war vor zwei Wochen. Es war sehr heiss wie heute und ich wollte eine Stunde Ruhe geniessen vor dem Start vom Tag. Und da habe ich gedacht, dann gehe ich ins Frauenbad. Also als Frau kann ich dort meine Ruhe geniessen, eine Stunde baden, ein bisschen lesen und dann den Tag schön starten. Sie wurden allerdings nicht reingelassen. Begründung, man lese sie als Mann. Was haben die... Wie ist es Ihnen da ergangen? Ja, ich bin reingetreten und sofort ist die Dame, die Badmeisterin, zu mir gekommen, also aufgesprungen, zu mir gerannt. Und sie hat mir sofort gesagt, nein, nein, nein, das geht nicht, das ist nur für Frauen. Dann habe ich gesagt, ja, ich bin aber eine Frau, ich darf da. Dann wurde ich physisch rausgeschmissen und musste vor der Tür oder hinter der Tür warten. Nach einer Minute ist die Frau, die Badmeisterin, gekommen, empört. Ich habe ihr alle Dokumente gezeigt, die amtlich beweisen, dass ich eine Frau bin. Aber sie wollte nichts hören. Sie hat gesagt, sie kenne das, aber es geht nicht. Und dann ist die Diskussion losgegangen. Aber sie hat mich gefragt, was wollen Sie da? Ich habe gesagt, ich will eine Stunde in Ruhe geniessen als Frau im Frauenbad, wie ich eigentlich dürfte. Aber sie wollte nicht. Und sie hat mich dann gesagt, ja, aber ich sehe das. Ich sehe, dass Sie offiziell eine Frau sind, aber ich lese Sie als Mann. Also ist das eine willkürliche, freie Definition? Darf, kann jeder das Geschlecht vom anderen selber bestimmen? Haben Sie sich verletzt gefühlt? Ja, also für mich als Frau ist das schon eine, wie soll ich sagen, eine Demütigung. Ich als Frau darf nicht ins Frauenbad. Wieso? Wieso nicht? Weil ich zu wenig weiblich aussehe. Also man wird aufgrund vom Aussehen diskriminiert. Und das von der Stadt Zürich, die sich so offen und tolerant und inklusiv präsentieren will. Sie haben sich dann, das habe ich in der NZZ gelesen, haben sich dann bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Zürich gemeldet, einer Institution, die mit Steuergeldern finanziert wurde. Was haben Sie da erfahren? Wie ist man Ihnen da entgegengetreten? Was haben Sie da gehört? Genau das Gleiche. Also man hat akzeptiert, dass ich offiziell abtlich eine Frau bin. Aber die Badmeisterin beim Frauenbad hat die Anweisung, die Leute zu filtrieren. Und sie kann selber entscheiden, wer reinkommt oder nicht. Und wenn man als Mann oder als zu wenig weiblich gelesen wird, darf man nicht rein. Werden Sie gegen diesen Entschluss, gegen diesen Entscheid des Frauenbads der Stadt Zürich, werden sie da Juristisch dagegen vorgehen, was haben Sie im Sinn? Ich habe schon mit meinem Anwalt Kontakt aufgenommen. Wir prüfen die Angelegenheit und prüfen es noch in Detail, um zu definieren, was wir dann unternehmen. Es wurde dieser Fall, wurde publik, war auch international mehr oder weniger Gesprächsthema, hat bis über die Landesgrenzen hinaus, hat er Wellen geschlagen. Was haben Sie persönlich für Reaktionen erhalten? wurden sie Beschimpft, gab es auch Unterstützung, Support? Wie sahen diese Reaktionen aus? Ja, nach den Artikeln auf dem Inside-Badeplatz, NZZ und bei euch in der Weltwoche, habe ich alle möglichen Kommentare gelesen. Also von Unterstützung bis zu grosser Empörung. Es gab die ganze Bandbreite. Es ist aber wichtig, dass das Thema die Leute bewegt und dass die Leute merken, was läuft und was nicht läuft. Wer hat... Wer hat besonders empört reagiert? Waren das Frauen, die sich da angegriffen fühlen, in ihrem Safe Space bedroht gefühlt haben? Männer, die das völlig albern gefunden haben? Aktivistische LGBTQ-Menschen? Wer hat am empörtesten darauf, auf Sie reagiert? Die meisten waren Männer. Vielleicht liegt es an den Plattformen, wo der Artikel erschienen ist. Ich habe mich aber auch bei der LGBT Helpline gemeldet und den Vorfall gemeldet. detailliert beschrieben. Ich habe aber keine Rückantwort bekommen. Hat Sie das enttäuscht? Ja, natürlich. Ich erwarte ein bisschen Unterstützung. Also ich bin Teil der LGBT Community und ich finde es enttäuschend, dass die LGBTQ Helpline mich nicht unterstützt. Wie sind Sie aufgewachsen? Sie sind ja, waren ja Wahrscheinlich geboren, so nehme ich das an, so habe ich das gelesen. Sie waren ja ein Mann, bis Sie sich zur Frau umeintragen haben lassen. Was muss man vielleicht über Sie wissen? Was hat Sie in der Jugend speziell geprägt? Wer sind Sie, Pierre Moret? In der Jugend nicht speziell, aber mit den Jahren habe ich irgendwann gespürt, dass etwas anders ist bei mir. Letztes Jahr habe ich schon überlegt und dieses Jahr im Januar habe ich den Schritt gemacht und mich endlich als Frau registriert. Eigentlich habe ich das auch im Zivilstandsamt besprochen. Ich hätte mich lieber als Diverses eingetragen, leider darf man das in der Schweiz noch nicht. Also ich habe Frau gewählt. Wie viel, was ist an, was war oder wann kam dieses Gefühl erstmals auf, wann haben Sie gemerkt, dass Sie als Mann sich nicht wohlfühlen in Ihrem Körper. Wann hat das angefangen? Beschreiben Sie das? Vor einem Jahr oder zwei, vor zwei Jahren etwa. Dann habe ich mich erkundigt, informiert, wie das funktioniert. Früher war es sehr kompliziert in der Schweiz. Seit 2022 kann man es sehr einfach machen. Ich habe lange überlegt und dann war die Zeit reif und im Januar habe ich den Schritt gemacht. Das kostet ja 75 Franken in der Schweiz. Was war für Sie ausschlaggebend, um sich vom Mann in eine Frau umeintragen zu lassen? Was war da der zentrale Grund für Ihre Geschlechtsanpassung? Ja, meine inneren Gefühle. Ich... Ich fühle es so und mir war es wichtig, dass es auch amtlich anerkannt wird. Was ist seither anders? Was hat sich mit dieser Umeintragung geändert in Ihrem Leben? Eigentlich im offenen Leben nichts. Das ist nichts, aber so bin ich mit mir selber in Ruhe. Und wie treten andere Menschen? Ihnen gegenüber. Wie reagieren Sie, wenn Sie als Mann angesprochen werden? Müssen Sie da laufend korrigieren? Ist das ein ständiger Ritt mit Pronomenangleichung oder Pronomenberichtigung in Ihrem Alter? Ja, ich habe meinen Vornamen nicht geändert. Ich heisse immer noch Pierre. Und das führt natürlich zu Missverständnissen. Aber meistens reagiere ich, also meistens im E-Mail, im Austausch mit Kunden, also mit Partnern und so im Geschäftsbereich, mache ich keine Bemerkung. Es ist nichts, es bringt nichts. Aber im Austausch mit den Behörden werde ich als Frau bezeichnet und ich bestehe auch davon, darauf. Können Sie mal beschreiben, wie diese Geschlechts... wie das beim Registeramt ablief. Wie wurde man da? War man da erfreut, erbost, erstaunt? Wie ist man Ihnen entgegengetreten, als Sie mit diesem Antrag auf Geschlechtsumeintragung beim Amt angetragen sind? Es ging sehr schnell, sehr einfach. Zuerst habe ich ein E-Mail gemacht, um mich zu informieren, welche Dokumente gebraucht werden. Also ich musste nur meine Idee mitnehmen. mitnehmen, meine Identität bestätigen. Und dann ging es genau sechs Minuten. Also ich wurde sehr freundlich empfangen. Es war im Winter, also ich hatte eine dunkle Kappe, grosse Schuhe und grosse Jacke. Aber ich wurde sehr freundlich empfangen. Die Frau war sehr nett. Also ich nehme an, es war eine Frau. Sie hat mich... Sie hat mir gratuliert und den Prozess super gefunden. Das hat sie mehrmals wiederholt. Sie hat es wirklich super gefunden. Nach sechs Minuten und zwei Unterschriften war es erledigt. Die Dame hat mir auch gesagt, im Smalltalk danach, dass sie die Anweisungen vom Kanton haben, also von den Behörden haben, keine Frage zu stellen, nichts infrage zu stellen. Sie... Sie hören gerne zu, wenn die Kunden ihre Geschichte erzählen möchten, ist sie offen, aber sie stellt keine Fragen. Aber sie war enthusiastisch. Waren Sie überrascht, dass diese Eintragung dermassen einfach vonstatten ging, dass da keine Bedingungen nötig waren? Wie ging es Ihnen da? Ja, ich hatte schon auf mehr Widerstand erwartet. Weil eben ich trage einen Bart, damals noch Vollbart, die dunkle Kappe und so. Und ich habe fast ein bisschen, ja, ich habe eher ein bisschen Widerstand erwartet, dass man mir sagt, ja, nein, geht nicht. Also sie meinen es nicht ernst, aber nein, überhaupt nicht. Was hat sich, was war quasi der Zentral... Was hat sich seither in Ihrem Leben, konkret in Ihrem Alltag geändert? Im Umgang vielleicht auch mit den Behörden, mit normalen Kollegen, mit Freunden? Was ist jetzt anders als vor dieser Umeintragung? Also mit Freunden, Familie geht das reibungslos natürlich. Sie kennen meine Situation, kennen mich und sie sehen mich immer noch als Pierre. Und mit Behörden, ja, im Briefaustausch mit den Behörden steht jetzt Frau Pia More als Adresse, mit den Steuerbehörden, mit der Gemeinde und so. Also das ist jetzt schön eingetragen. Was ist die bizarrste, absurdeste, skurrilste Situation, die Sie seither erlebt haben? Das ist das mit dem Frauenbad vor zwei Wochen. Als Frau darf ich nicht ins Frauenbad. Gibt es sonst noch Erlebnisse, die besonders bemerkenswert waren? Nein, bis jetzt nicht. Bis jetzt ist das eigentlich kein Problem. Frauensauna, Umkleidekabinen im Sportbereich, wie ergeht es Ihnen da? Vielleicht werden Sie da mit komischen Bemerkungen, mit besonderen Blicken angesehen? Nein, also ich gehe grundsätzlich nicht in Frauen-Sauna. Ich weiss, dass es für manche Frauen ein Problem sein könnte. Ich will sie auch nicht belästigen. Also ich nehme auch viel Rücksicht auf Frauen, weil ich weiss, wie es ist. Man hat meine Gefühle verletzt, ich will ihre Gefühle nicht verletzen. Wie ist es mit der Toilette? Auf welche Toilette gehen Sie? Nur zu Hause. Wenn es geht, suche ich genderneutrale Toiletten. Und sonst will ich auch nicht Frauen belästigen und stören. Ich gehe meistens schwerherzens auf die Männertoilette. Was ist Ihr zentrales Motiv hinter dieser Geschlechtsanpassung im Registeramt? Um was geht es Ihnen konkret? Ich finde es super, also grundsätzlich sehr wichtig. Ich habe endlich meine wahre Identität auch amtlich bestätigen lassen können. Ich wünsche mir auch vom Bundesrat mehr und vom Parlament mehr Offenheit, dass es auch ein drittes Geschlecht gibt. oder weitere Möglichkeiten. In Österreich sind es zum Beispiel sechs amtliche Geschlechter. Und ja, das wäre für die Schweiz auch wichtig. Was wäre Ihre Wunschvorstellung? Wie viele Geschlechter sollte es geben vielleicht einmal? Was ist Ihr Ziel? Es sollte offen sein. Grundsätzlich. Also entweder, ich glaube in Deutschland sind es offiziell drei, also Mann, Frau und diverses oder offen. Das wäre schon ein Schritt. Man kann nicht alle Gender-Identitäten abdecken, das wäre unendlich, aber dass es die Möglichkeit gibt, das offen zu lassen, wäre schon ein Schritt. Jetzt könnten Kritiker natürlich sagen, ja, dieser Herr oder diese Frau, die will uns alle veräppeln, die nimmt diese Probleme nicht ernst, die da Menschen haben, die sich vielleicht wirklich nicht im echten Körper... zu hause fühlen die will uns alle einfach nur vorführen und sich lustig machen was antworten sie diesen kritiken ja es gibt natürlich also ich habe auch physisch keine op durchführen lassen will ich auch nicht ich verstehe ich kann es nachvollziehen dass gewisse leute das auch physisch empfinden und eine physische änderung brauchen ganz tief brauchen ja gibt es absolut Also da habe ich volles Verständnis. Es sind aber natürlich sehr wenige Ausnahmen. Und wenn jetzt jemand kommt und sagt, das ist ein Provokateur oder eine Provokateurin, die will sich über uns lustig machen, was antworten Sie diesen Personen? Jeder kann denken, was er will. Wie reagierten Ihre Eltern auf Ihre Geschlechtsanpassung? Meine Eltern sind beide gestorben schon. Und Ihre Frau? Kinder? Haben Sie Kinder? Ich habe einen Sohn, ja. Und für ihn ist das ganz in Ordnung. Er hat es akzeptiert, also mehr als akzeptiert. Für ihn bin ich immer noch sein Vater. Also er nennt mich immer noch Papi, weil das immer so war. Aber für ihn ist das ganz in Ordnung. Und sind Sie jetzt sozusagen lesbisch oder immer noch hetero? Wie hat sich diese Einstellung gegenüber dem anderen Geschlecht? Wie hat sich da Ihre Bezeichnung verändert, angepasst? Also ich bin eine Frau, habe eine Partnerin und ja, wir sind lesbisch. Was würden Sie sagen, letzte Frage, was ist eine Frau? Das kann man nicht erklären. Entweder sind sie eine oder sind sie keine. Das ist so tief in den Gefühlen, kann man nicht erklären. Vielen Dank für dieses Gespräch. Sehr gerne. Vielen Dank.
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