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«Gruetze mitanand» Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, speziell Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgeli. Wir sind hier auf einem Friedhof in Zürich, auf dem Friedhof Manek, hinter uns ein Gedenkgrab. Lieber Christoph, was ist heute das Thema dieser Sendung? Was ist der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. Der Friedhof Manek liegt in Wollishofen, ist auch ein traditioneller Friedhof hier in der Stadt Zürich mit berühmten Begräbnisstätten, beispielsweise dem wohl grössten Schweizer Staatsmann des 19. Jahrhunderts, Alfred Escher. Dann der Schriftsteller Friedrich Klauser ist hier begraben, ebenso der frühere, fast schon legendäre Stadtpräsident Emil Landolt. von den Freisinnigen oder auch der Bundesrat Ernst Nobs von den Sozialdemokraten usw. Aber hier haben wir ein anderes Thema. Wir sehen hinter uns eine Begräbnisstätte, eine Erinnerungsstätte in französischer Sprache. Und dieses Denkmal wurde im März 1872 eingeweiht. und erinnert an verstorbene, internierte Franzosen, die 1870, 1871 in die Schweiz gekommen sind. 70, 1870, 1871, Deutsch-Französischer Krieg, wenn ich richtig informiert bin. Du wirst mich aber sicher korrigieren, um was geht es da genau, was war da Ursache, Streitpunkt, warum hat man sich da bekriegt? Der Deutsch-Französische Krieg 1870. 1871 war natürlich ein nationalistischer Krieg. Die beiden Nationen, das Deutsche Reich unter der Führung von Bismarck politisch und dann eben das Kaiserreich Frankreich unter Napoleon III. haben konkurriert, haben auch um Gebiete gerungen, um Einfluss gerungen, beispielsweise auch in der Kolonialpolitik und so weiter. Und es kam dann durch eine Reihe von Ereignissen, auch die berühmte Emser-Depeche mit einer kleinen Fälschung und so weiter, zu einem Krieg, nachdem eben auch die Franzosen verstimmt waren durch das Vorgehen der Preußen, der Deutschen, aber auch umgekehrt war das Misstrauen gross und dieser Kriegszug endete sehr rasch und man muss sagen, in einem praktisch völligen Triumph der deutschen Seite. Die Franzosen, die französische Armee, ist sehr schnell zusammengebrochen. Was war die Folge des deutsch-französischen Krieges? Die Folge des deutsch-französischen Krieges war für Deutschland letztlich nicht sehr günstig, denn die Franzosen haben das nie vergessen, vor allem auch, dass ihnen Gebiete weggenommen wurden. Das war das Elsass und das war Lothringen. Und die Franzosen... Wir haben gesagt, wir reden nie darüber, aber wir denken stets daran. Französisch eben, jamais parler, toujours y penser. Also das hat revisionistische Gelüste natürlich geweckt, die dann im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wieder aufgeflammt sind, jedenfalls war. Obwohl eben der Triumph gross war für die deutsche Sache 1870-71. die Folge dann wesentlich weniger günstigen. Was war die Rolle der Schweiz zu dieser Zeit, vielleicht sogar auch in diesem Krieg? Die Schweiz hat ihre Neutralität erklärt. Das hat Respekt gefunden bei den Kriegführenden, bei beiden Parteien, zum Glück. Man hat aber Truppen aufgeboten und hat sie an die Grenze verlegt, vor allem in die Gebiete der Watt und Neuenburgs, also in den Jura. Da hat man gedacht, da ist vor allem mit Grenzverletzungen allenfalls zu rechnen. Und es kam dann auch zu entsprechenden Ereignissen, die aber zum Glück nicht kriegerisch waren. Der Kontakt der Schweizer Armee mit einer französischen Armee war dann durchaus freundschaftlich und hilfsbereit. Wie hat man sich da durch diesen Krieg navigiert? Wie konnte man da neutral bleiben? Gab es da inner... nationale Unruhen, war man da auch bedroht, konkret bedroht? Wie war das damals zu dieser Zeit in der Schweiz? Es war schon so, dass die deutsche Schweiz mit dem... deutschen Reich sympathisiert hat. Man darf nicht vergessen, vor allem auch in den reformierten Gebieten war eigentlich die Verbindung mit dem Haus Hohenzollern nicht so ganz uneng, würde ich mal sagen, weil eben auch das Kaiserhaus den reformierten Glauben hatte, also kalvinistisch, das helvetische Bekenntnis, sie war nicht lutheranisch und das hat eine gewisse Verbindung. gegeben und die Deutschsprachigen haben halt eben mit den Deutschen hauptsächlich sympathisiert. Bei der Romandie war es dann genau umgekehrt, da waren die Sympathien schon auf französischer Seite. Und es gab aber auch in der Deutschschweiz entsprechende Auftritte und Krawalle. Besonders berühmt der Zürcher Tonhalle-Krawall von 1871, da hat nämlich die deutsche Kolonie eine grosse Siegesfeier abgehalten und Anti-deutsche Zürcher zusammen mit Franzosen, die hier waren, auch mit Internierten, haben dann Krawall gemacht, in Anführungszeichen. Jedenfalls kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen, auch mit der Polizei. Das war eine recht unschöne Sache. Und was führte zu diesem, ja ich möchte sagen, Meilenstein hinter uns, der an diesen Krieg, an die Gefallen erinnert? Warum steht das hier auf diesem Friedhof Manette? Wenn wir Schweizer an den deutsch-französischen Krieg von 1870-71 denken, denken wir vor allem an die Burbaki-Armee. Das war eine französische Armee, die geschlagen wurde unter dem Befehl des Generals Burbaki, ursprünglich eine griechische Familie. Und diese Armee war vollkommen demoralisiert. Sie ist abgedrängt worden dann von den Deutschen, von Belfort her. und kam in die Nähe der Schweiz. Und Burbaki hat einen Selbstmordversuch dann gemacht, wurde ersetzt durch einen anderen General. Und diese Armee bat dann, in die Schweiz übertreten zu können, sich hier internieren zu lassen, bei bitterer Kälte. Wir sprechen jetzt vom ausgehenden Januar 1871. Die Burbaki-Armee war völlig demoralisiert, hungerte, froh. Und die Schweizer Armee hat dann organisiert, dass 87'000 Mann dieser französischen Burbaki-Armee und 12'000 Pferde die Grenze überschreiten konnten. Und wo wurden die Soldaten, wo wurde diese Burbaki-Armee untergebracht? Das war natürlich ein logistisches Problem. Wir müssen uns bewusst sein, dass die Transportmittel noch alles andere... Als weit ausgebaut war, natürlich gab es bereits Eisenbahnen, aber es war doch nicht im Taktfahrplan möglich, die Menschen zu verschieben. Man hat sie interniert in Leverier im Jura und auch im Val de Travers gab es Übertritte. Und diese Soldaten wurden natürlich als Internierte vorerst entwaffnet. Man hat ihnen die Munition weggenommen und sie kamen eben dann unbewaffnet. interniert in die Schweiz, wurden empfangen, wurden verköstigt und dann auf sämtliche Kantone verteilt. Je nach Möglichkeiten dieser Kantone, mit Ausnahme des Tessins, das war etwas zu weit weg durch den Gotthard. Aber man hat eben natürlich diese Menschen verteilt in der Westschweiz, in der deutschen Schweiz. Dass das Tessin noch nicht berücksichtigt wurde, ist klar, der Gotthardtunnel. war noch nicht gebaut. In der Folge, was wurde aus diesen Soldaten? Gingen die irgendwann wieder zurück? Waren das Soldaten dann im Fortlauf der Geschichte? Oder was passierte mit denen? Sie wurden untergebracht, hauptsächlich in öffentlichen Gebäuden, in Gemeindehäusern, in Schulhäusern, aber auch privat. Und sie haben wirklich sehr viel Sympathie erweckt bei der Bevölkerung. Das war eine spontane... Solidarität, ein Erbarmen natürlich, auch ein christliches Erbarmen gegenüber diesen geschlagenen, demoralisierten Franzosen. Man hatte sie gerne und sie waren auch gerne hier. Sie wurden hier gut behandelt. Man muss allerdings sagen, dass es doch dann auch Todesopfer gab und dieses Denkmal hinter uns erinnert an etwa 50 französische Soldaten, die in der Schweiz als Internierte gestorben sind. Sie waren etwa sechs Wochen hier und konnten dann nach Beendigung des Krieges wieder heimreisen. Frankreich hat übrigens die Kosten von etwa 12,1 Millionen Franken. anstandslos der Schweiz dann zurückerstattet. Stammt dieses Denkmal von Frankreich oder von der Schweizer Seite? Dieses Denkmal kommt von Franzosen. Es steht darauf, dass auch Freunde Frankreichs mitgewirkt haben. Aber dieses Denkmal, eingeweiht im März 1872, ist eine französische Stiftung und findet auch heute noch auf diesem Friedhof das Interesse vor allem der Franzosen, umso mehr als auf der Tafel am Boden dann auch die Opfer des Ersten Weltkriegs noch nachgetragen wurden. Es handelt sich also um ein eigentliches französisches Kriegsdenkmal. Gibt es da einen Gedenktag, wo man irgendwie einen Kranz niederlegt von französischer Seite, vielleicht sogar von Schweizer Seite oder von deutscher Seite? Wie wird diesen Soldaten, diesen Gefallenen gedacht? Es ist etwas... Passiver, sage ich mal, was das Gedenken betrifft, vielleicht gegenüber einem Mahnmal für die deutschen Opfer, dann im Friedhof Sielfeld, da passiert eigentlich mehr. Natürlich ist dieser deutsch-französische Krieg auch etwas weiter weg als dann die beiden Weltkriege. Also so gesehen hat man hier nicht Regenbetrieb, es sind auch keine Grenzen hier. Aber ich bin doch überzeugt, dass die... Franzosen, die französischen Abordnungen, die französische Diplomatie, weiß, dass hier ein Gedenkstein ist. Es ist übrigens nicht der einzige. Es gibt andernorts ebenfalls Erinnerungen an verstorbene Soldaten, beispielsweise auf dem Friedhof in Bülach. Es sind, ich meine, etwa 60 bis 70 Soldaten hier in der Schweiz leider verstorben. Vor allem natürlich an einer ausbrechenden Pocken-Episode. Das war das grösste Problem, diese brutale Krankheit von Viren verursacht, die man Gott sei Dank überwunden hat heute. Es gibt sie nicht mehr. Die hat wirklich gewütet. Es sind auch Schweizer angesteckt worden. Es sind auch Schweizer daran gestorben. Was ist für dich aus diesem deutsch-französischen Krieg, was ist da für dich der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Was lernen wir von diesem tragischen Ereignis für unsere Geschichtsschreibung? Was man natürlich damals gelernt hat, ist, dass die Armee keineswegs vorbereitet war auf eine solche Aufgabe. Die Bundesversammlung hat den Aargauer Hans Herzog zum General gewählt. Er hat recht schonungslos berichtet, dass die Armee in einem inakzeptablen Zustand war. Das waren noch vor allem kantonale Truppen und man merkte, man muss das wirklich zentralisieren, man muss die Armee eidgenössisch. in die Hand nehmen und das hat sich dann auch niedergeschlagen in der neuen Bundesverfassung 1874 und dann später in Militärvorlagen, Militärgesetzen, wo eben eine bessere Armee dann verankert wurde, die auch besser führbar ist. Hier hat man wirklich einiges gesehen in diesem Deutsch-Französischen Krieg, sodass man dann verhältnismässig besser gerüstet war und auch anstandsloser mobilisieren konnte im Ersten Weltkrieg. Hans Herzog hat sich auch immer gestritten mit dem Chef des Militärdepartements. Auch da waren die Kompetenzen nicht ganz klar geregelt. Das war nämlich auch ein einflussreicher Mann, das war der Aargauer Emil Welti. Man nannte ihn auch den Bismarck der Schweiz. Er war lange wirklich die starke Figur im Bundesrat und glaubte wahrscheinlich, er müsse auch noch die Armee führen. Dieser deutsch-französische Krieg und vor allem die Aufnahme der Burbaki-Armee, war das auch der Startschuss oder mitunter ein Startschuss für die humanitäre Hilfeleistung der Schweiz? Das kann man eindeutig sagen. Es gibt da bereits das Rote Kreuz. Es gab Rotkreuz-Fahnen, Rotkreuz-Helfer. Also die Idee des Schweizerischen Roten Kreuzes beziehungsweise des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, IKRK, war in diesem deutsch-französischen Krieg bereits. Das heisst unparteiische Hilfe für alle Verwundeten, Verletzten, Kranken. Und das war sicher ein wichtiges Ereignis für beide Seiten zur Stärkung des Rotkreuz-Gedankens. Welchen Aspekt, welche Facette des Deutsch-Französischen Krieges, der Schweiz in diesem Deutsch-Französischen Krieg, haben wir bis jetzt noch nicht beleuchtet, haben wir vergessen? Ich glaube, man darf sagen, dass dieser deutsch-französische Krieg und dann die beiden Weltkriege wirklich eine Lehre waren für beide Nationen, für Deutschland und Frankreich, dass man wirklich freundschaftlich zusammenarbeiten muss und so. Und das ist ja dann zum Glück nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine entsprechend auch bereite Bevölkerung auf beiden Seiten und durch kluge Staatsleute gelungen, sodass wir heute ausschliessen dürfen. dass sich Deutsche und Franzosen am Nacken packen. Also das ist zum Glück vorbei und das soll auch so bleiben. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen und mit diesen Eindrücken gehen wir zurück. Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen Samstag. Bis zum nächsten Mal bei Meilen scheinen der Schweizer Geschichte und bleiben Sie gesund. Bis zum nächsten Mal. Vielen herzlichen Dank. 2020

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Meilensteine: Prof. Mörgeli über den Deutsch-Französischen Krieg und die internierten Franzosen

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