Der stellvertretende Chef des russischen Armeegeheimdienstes GRU, Wladimir Alexejew, ist nach einem Attentat in Moskau schwer verletzt worden. Der 64-Jährige wurde laut Ermittlungskomitee in einem Wohnhaus im Nordosten der Hauptstadt angeschossen und befindet sich auf der Intensivstation. Die Behörden haben ein Strafverfahren wegen versuchten Mordes eingeleitet.
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Der Angriff ereignete sich laut dem russischen Sicherheitsapparat nahestehenden Telegramkanal Mash am frühen Morgen im Hausflur vor dem Aufzug. Alexejew soll mehrfach in Rücken, Bauch und Bein getroffen worden sein. «Alexejew hat sehr viel Blut verloren», berichtete der Kanal.
Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sprach von einem «Terroranschlag» und machte die ukrainische Führung unter Wolodymyr Selenskyj verantwortlich. «Dieser Terroranschlag bestätigt einmal mehr die Ausrichtung des Regimes von Selenskyj auf ständige Provokationen», sagte er im Staatsfernsehen. Der Täter sei noch flüchtig, Präsident Putin sei über den Vorfall informiert worden.
Das Attentat fällt in eine sensible Phase: Erst am Donnerstag war in Abu Dhabi eine Gesprächsrunde über eine mögliche Beendigung des Kriegs in der Ukraine zu Ende gegangen. Geleitet wurde die russische Delegation vom GRU-Chef Igor Kostjukow – dem direkten Vorgesetzten Alexejews.
Als Nummer zwei des GRU ist Alexejew eine Schlüsselfigur im russischen Sicherheitsapparat. 2023 führte er Verhandlungen mit Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, nachdem dieser einen Aufstand gegen Präsident Wladimir Putin angezettelt hatte. Wie die FAZ schreibt, stammt Alexejew ursprünglich aus dem Gebiet Winnyzja in der heutigen Ukraine, machte aber seine gesamte, noch in Sowjetzeiten begonnene Militärkarriere in Russland. Im Syrienkrieg leitete er die Geheimdiensteinsätze des russischen Militärs im Nahen Osten. Nach Beginn des Ukrainekriegs war er mitverantwortlich für den Aufbau sogenannter Freiwilligenbataillone. In Kiew wird er gesucht wegen mutmasslicher Bereitstellung von Zielkoordinaten für Luftschläge, bei denen Zivilisten ums Leben kamen. 2018 wurde er von der EU im Zusammenhang mit dem Skripal-Giftanschlag in Grossbritannien mit Sanktionen belegt.
Es wäre nicht das erste Mal, dass hochrangige russische Offiziere Ziel eines Anschlags werden. Im Dezember 2024 starb ABC-General Igor Kirillow durch eine Autobombe. Im April 2025 traf es Generalleutnant Jaroslaw Moskalik. In beiden Fällen bekannte sich der ukrainische Geheimdienst zu den Taten.