Die Sicherheitsexpertin Claudia Major warnt vor der langfristigen Strategie Russlands im Ukraine-Krieg. In der ZDF-Sendung «Markus Lanz» erklärte die Vizepräsidentin des German Marshall Fund, dass die gezielten Angriffe auf zivile Infrastruktur – insbesondere während der Wintermonate – keine Zufälle seien, sondern einem klaren Ziel folgten: «Russland hat seit 2022 systematisch die Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung zerstört», sagte sie unwidersprochen. «Was Russland damit bezweckt, ist einerseits eine Entvölkerung.» Aber im Endeffekt werden die Lebensgrundlagen entzogen.
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Seit dem russischen Einmarsch 2022 würden Stromnetze, Heizkraftwerke und Wasserversorgung gezielt zerstört – gerade bei extremen Minusgraden. Laut Welthungerhilfe wurden bereits über 63.000 Einrichtungen der Energieversorgung beschädigt. «Der Winter ist einer der härtesten, eben weil schon so viel Infrastruktur kaputt ist», so Major. Ersatzteile seien knapp, Reparaturen bei minus 30 Grad fast unmöglich. Viele Ukrainer sähen den aktuellen Winter noch als überstehbar – aber nicht die kommenden.
Russlands Kalkül sei, durch dauerhaften Druck auf die Lebensverhältnisse der Zivilbevölkerung politische Konzessionen zu erzwingen. «Natürlich hofft Russland, die ukrainische Bevölkerung damit zu zermürben», so Major. Bisher funktioniere diese Strategie jedoch nicht.
Gleichzeitig übte sie Kritik an der internationalen Wahrnehmung: «Wir hören das so oft, dass wir gar nicht mehr mitkriegen, dass das Kriegsverbrechen sind.» Die Zerstörung der zivilen Infrastruktur sei völkerrechtlich eindeutig zu verurteilen.
Ein schneller Frieden sei aus ihrer Sicht nicht in Sicht. «Russland glaubt, es kann diesen Abnutzungskrieg gewinnen – wenn der Westen nachlässt.» Ein Waffenstillstand ohne klare Sicherheitsgarantien würde nur Moskau Zeit zur Regeneration verschaffen. Unterstützung für die Ukraine sei wichtig – reiche aber nicht: «Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau und keinen demokratischen Reformprozess.»