Er war ein «Mancunian», einer aus Manchester. Darauf war der Boxer Ricky Hatton stolz; er erwähnte seine Herkunft bei Gelegenheit gerne. Denn dieser Menschenschlag gilt in England als besonders eigenwillig. Aber «The Hitman», wie Hattons Spitzname lautete, war auch ein sensibler Mensch, einer, der eigentlich zu feinfühlig war für diese harte Branche. Das hinderte ihn nicht daran, seiner Boxleidenschaft mit schier unheimlichem Ehrgeiz zu frönen. Er wurde in den neunziger und nuller Jahren Weltmeister im Welter- und Halbweltergewicht, galt in Grossbritannien während Jahren als unbesiegbar. Bis er 2009 gegen den legendären Filipino Manny Pacquiao verlor. Die Niederlage war eine Zäsur: «Ich fiel in ein tiefes Loch», sagte er.
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Richard Hatton wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Seine Eltern betrieben ein Teppichgeschäft. Der Junge stieg zuerst widerwillig ins Business ein. Doch verlor er beim Schneiden der zähen Stoffe vier Finger. In der Folge konnte er sich auf den Sport konzentrieren. Eine Weile lockte ihn als eingefleischten supporter von Manchester City die Laufbahn als Fussballer. Schliesslich entschied er sich fürs Boxen.
Es brachte ihm zwar Geld und eine Weile grosse Anerkennung, aber letztlich kein Glück. Ricky Hatton suchte zusehends Trost in Drogen und Alkohol. Auch hielt er es nie lange in Beziehungen aus; die Verbindungen mit den zwei Müttern seiner drei Kinder gingen frühzeitig in die Brüche. So wurde Hatton zur Zielscheibe der britischen Boulevardpresse, die sich wie bei seinem älteren Sportskollegen, dem Fussballer Paul Gascoigne, während Jahren an seinen Abstürzen ergötzte. Hatton wurde am Sonntag in seinem Haus in seiner Heimat Manchester tot aufgefunden. Eine Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.

