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Schliesst sich bald das Aktienfenster?

Schliesst sich bald das Aktienfenster?

Auch 2025 setzen die Aktienmärkte ihren Höhenflug fort. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis globaler Aktien, gemessen am Shiller-PE, erreicht den höchsten Stand seit der Dotcom-Blase. Die hohen Bewertungen lassen sich also nur teilweise durch die Gewinnentwicklung der Unternehmen rechtfertigen. Wir haben führende Exponentinnen und Exponenten der Schweizer Finanzwelt gefragt, ob sie für 2026 mit einer Fortsetzung der Rally rechnen.

Michael Bolliger, Chief Investment Officer Switzerland and Global Emerging Markets, UBS Global Wealth Management

Der S&P 500 hat kürzlich neue Rekordstände erreicht und seit Jahresbeginn über 12 Prozent zugelegt. Treiber sind solide Unternehmensgewinne, vor allem im Technologiesektor mit KI-Bezug, sowie die jüngste Zinssenkung der Fed, von der weitere Schritte zu erwarten sind.

Die hohen Bewertungen werden zunehmend hinterfragt, scheinen aber solide abgestützt. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, 22,5) und das Shiller-KGV (37,9) liegen zwar nahe bei den historischen Spitzenwerten. Sonst gibt es jedoch kaum Anzeichen für eine Blase. Die Marktstimmung ist keineswegs euphorisch, und institutionelle Investoren sind zurückhaltend positioniert. Ein Blick ins Jahr 2000 ist ebenfalls hilfreich: Damals lag das KGV grosser Tech-Firmen im Schnitt bei 82 – heute sind es bei den «Magnificent Seven» rund 28. Auch ist die Verschuldung deutlich geringer als auf dem Höhepunkt der Dotcom-Ära und das Gewinnwachstum viel robuster. Die zunehmende Verflechtung von Tech-Unternehmen im KI-Bereich, ihre Rentabilität und Verschuldung sollten allerdings kritisch verfolgt werden. Sollte der rasante technologische Fortschritt nämlich ins Stocken geraten, dürfte die Marktstimmung abflachen. Anlegende, die in Aktien untergewichtet sind, können ihre Quote durchaus erhöhen, insbesondere bei Kursrückschlägen.

Gut diversifiziert: Michael Bolliger.

Spannend für solche, die langfristige Strategien verfolgen und das Risiko fallender Kurse eingehen können, sind aktuell auch Reverse Convertibles. Gut diversifiziert, sind sie eine solide Einkommensquelle. Und im Fall einer Baisse erfolgt eine Konvertierung in ausgewählte Aktien, die sich mittelfristig erholen dürften.

 

Alexandra Janssen, CEO, Ecofin Vermögensverwaltung

Es ist eine Illusion zu glauben, jemand könne die Frage, ob sich die Aktienrally fortsetze, mit Sicherheit beantworten. Denn die Zukunft ist inhärent unsicher – das gilt für das eigene Leben gleichermassen wie für die Finanzmärkte. Gerade in Zeiten erhöhter Unsicherheit und hoher Bewertungen ist es verlockend, den Sirenengesängen der Prognostiker zu folgen. Doch das ist gefährlich: Wer sich auf Vorhersagen verlässt, investiert zu konzentriert in jene Titel und Zeiträume, die gemäss der Prognose eine gute Performance liefern sollten. Dadurch vernachlässigt man das Einzige, was verlässlich funktioniert – Diversifikation und das Denken in Szenarien.

Die Alternative zu Market-Timing, Stock-Picking und ähnlichen Prognoseformen ist ein individuell diversifiziertes Portfolio, mit dem man durchgehend investiert bleibt. Aus der Empirie wissen wir, dass die Renditen an den Märkten häufig von wenigen Unternehmen und kurzen Zeitfenstern getrieben werden. Daher liefern durchgehend investierte und breit diversifizierte Portfolios langfristig bessere Resultate als prognosebasierte Ansätze. Entscheidend ist dabei die personalisierte Ausgestaltung des Portfolios: Risiken und Chancen aus verschiedenen Marktszenarien müssen bestmöglich auf die individuelle Ausgangslage des Anlegers abgestimmt sein. Die Zeit und das Geld, die man spart, wenn man auf Prognosen verzichtet, lassen sich sinnvoll dort einsetzen, wo tatsächlich Wert geschaffen wird: bei der Definition der persönlichen Anlagestrategie – und abseits der Finanzmärkte bei der Umsetzung eigener unternehmerischer Ideen.

 

Philipp Lisibach, Head Investment Strategy & Themes, LGT Private Banking

Die Aktienmarktbewertung ist historisch hoch, wofür vor allem der US-Markt verantwortlich ist. Das Gewinnwachstum der US-Unternehmen bleibt jedoch stark: Für 2026 wird beim S&P 500 ein Gewinnwachstum pro Aktie (GpA) von 15 Prozent erwartet, nach 11 Prozent in diesem Jahr. Die zentrale Frage ist, ob diese Gewinnerwartungen realistisch sind – dabei steht der IT-Sektor im Fokus. Er macht rund ein Drittel des US-Aktienmarkts aus, und die Gewinnschätzungen liegen für 2025 bei 23 Prozent und für 2026 bei 28 Prozent. Ein wesentlicher Treiber ist der Halbleitersektor, der von Investitionen in künstliche Intelligenz profitiert. Die hohe Nachfrage nach Rechenleistung sorgt dafür, dass Infrastrukturanbieter weiterhin an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten. Das spricht für anhaltend solides Gewinnwachstum.

Zudem sollten eine politisch gewollte Reduktion von Regulierung sowie attraktivere Abschreibungsregeln für Investitionen und Forschung & Entwicklung (F&E) die Gewinne vieler Unternehmen weiter stützen. Wir rechnen daher mit weiterhin steigenden US-Aktienmärkten, wenn auch etwas weniger stark als in den vergangenen Jahren. In Europa sind die Bewertungen deutlich tiefer, die Region leidet jedoch unter anhaltender Wachstumsschwäche – etwa bedingt durch US-Zölle, den schwachen US-Dollar, geringere Nachfrage aus China und ein weniger attraktives Branchenumfeld.

Für 2025 wird beim GpA-Wachstum eine Erholung auf 11 Prozent erwartet, vor allem getrieben durch eine Erholung in Sektoren wie Automobil und Luxusgüter. Diese Prognose könnte sich jedoch als zu optimistisch erweisen.

 

Anastassios Frangulidis,Leiter Multi Asset Switzerland, Pictet Asset Management

Die Bewertungen der US-Aktien, insbesondere der Technologietitel, sind hoch. Letztere haben in den vergangenen Jahren – im Gegensatz zur TMT-Blase Ende der neunziger Jahre – einen starken Gewinnanstieg verzeichnet, ihre Kurse sind jedoch noch stärker gestiegen. Da der US-Aktienmarkt die Kapitalisierung wichtiger globaler Aktienindizes dominiert, sind die Märkte aus globaler Sicht ebenfalls hoch bewertet. Dies dürfte dazu führen, dass die Performance der US- und globalen Aktienmärkte in den nächsten fünf bis zehn Jahren unterdurchschnittlich ausfällt.

Für das kommende Jahr muss das jedoch nicht gelten. Solange die US-Konjunktur und damit die Unternehmensgewinne moderat wachsen und die US-Notenbank ihre Geldpolitik lockern kann, droht kaum eine Bewertungskorrektur, und die Aktienpreise könnten weiter steigen. Viele Marktteilnehmer erwarten diese Entwicklung und halten hohe Aktienquoten in ihren Portfolios. Das macht grundsätzlich Sinn. Sollte es jedoch entweder zu einer Rezession oder zu einem deutlichen Inflationsanstieg im Verlauf von 2026 kommen, könnte die Aktienkorrektur stärker ausfallen als in Zeiten «normaler» Bewertungen.

Neben der offenen Frage, wie die höheren US-Zölle die Preise importierter Güter beeinflussen, stellt die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt einen weiteren Risikofaktor dar. Sollte sich die US-Wirtschaft 2026 deutlich erholen, könnte das Angebot an Arbeitskräften aufgrund der restriktiven Einwanderungspolitik zu knapp sein, um die Inflation zu kontrollieren – mit entsprechenden Folgen für Geldpolitik und Finanzmärkte.

 

Gabrielle Wanzenried,Professorin für Finanzwirtschaft,Hochschule Westschweiz HES-SO

Es ist unwahrscheinlich, dass die Börsen auch 2026 ihr Rekordtempo halten. Zu viele Indikatoren zeigen, dass die Bewertungen längst losgelöst sind von der Realwirtschaft. So weist etwa der Buffett-Indikator, einer von mehreren bewährten Bewertungsmassstäben, die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt aus – und er lag in der Vergangenheit oft richtig, wenn Märkte in überhitzte Phasen eintraten. Auch die Unternehmensgewinne stagnieren, während Anleger Risiken zunehmend ausblenden. Der steigende Goldpreis zeigt zudem, dass die Suche nach Sicherheit wieder wichtiger wird.

Gleichzeitig mehren sich die Warnsignale aus der Konjunktur. Der Einkaufsmanagerindex fällt in mehreren Industrieländern unter die Wachstumsschwelle, und auch in der Schweiz deutet die Abschwächung der Auftragseingänge auf ein Abkühlen der realen Wirtschaft hin. Trotz robusten Arbeitsmärkten und soliden Unternehmensbilanzen bleibt die exportorientierte Schweiz anfällig – nicht zuletzt wegen der neuen US-Zölle und des starken Frankens. Der UBS Global Real Estate Bubble Index mahnt zusätzlich zur Vorsicht im Immobiliensektor.

Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob die Rally endet, sondern wann. Wer Bewertungsdisziplin wahrt, Gewinne mit Augenmass sichert und die Signale der Realwirtschaft ernst nimmt, wird in der nächsten Korrektur nicht überrascht, sondern vorbereitet sein – und ruhig bleiben, wenn die Schwerkraft an den Märkten zurückkehrt.

 

Mozamil Afzal,Global Chief Investment Officer,EFG Asset Management

Die hohe Bewertung der US-Aktien deutet auf das Risiko einer Korrektur in den kommenden Quartalen hin. Dieses Risiko wird durch den politischen Kalender der USA, einschliesslich der Zwischenwahlen im November 2026, noch verstärkt. Die vergangenen sechzig Jahre zeigen, dass der S&P-500-Index in Zwischenwahljahren durchschnittlich Korrekturen von etwa 20 Prozent erfahren hat. Diese Episoden führten jedoch nur zu einer vorübergehenden Unterbrechung des Markts, der in den zwölf Monaten nach Ende der Korrekturen durchschnittlich um knapp 30 Prozent zulegte.

Die Aussichten für den Aktienmarkt werden durch die expansive Fiskalpolitik der Trump-Regierung gestützt, deren Auswirkungen zwischen Ende 2025 und der ersten Hälfte des Jahres 2026 am deutlichsten zu spüren sein werden, sowie durch die Deregulierungspläne des Weissen Hauses und die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve die Zinsen weiter senken wird.

Darüber hinaus verringert die Unterstützung der Wirtschaftstätigkeit durch künstliche Intelligenz – einschliesslich der erheblichen Investitionen, die für ihre breite Einführung erforderlich sind – das kurzfristige Rezessionsrisiko.

Das hohe Shiller-KGV des US-Aktienmarktes widerspiegelt die Konzentration auf die «Magnificent Seven»-Aktien. Die Bewertungen im übrigen US-Markt und ausserhalb der USA liegen trotz den deutlichen Gewinnen im Jahr 2025 weiterhin im historischen Durchschnitt oder darunter. Dies unterstreicht den Vorteil einer Diversifizierung des Engagements an den Aktienmärkten und damit eine Verringerung des Risikos einer übermässigen Konzentration auf eine Handvoll US-amerikanischer Mega-Cap-Unternehmen.

 

Markus Alefelder, Senior Investment Advisor, Neue Bank

Auch das Jahr 2025 war an den Finanzmärkten wieder aussergewöhnlich. Dabei hat der Schweizer Aktienmarkt wieder etwas schwächer abgeschnitten und der Obligationenmarkt ist durch die Nullzinspolitik der SNB noch unattraktiver geworden. Wir erwarten aufgrund des Status des Frankens als einzig verbliebene «Fluchtwährung» und der Zollproblematik weiterhin ein schwieriges Umfeld für die einheimische Wirtschaft und den inländischen Kapitalmarkt.

Für die globalen Kapitalmärkte erwarten wir ein spannendes Börsenjahr, mit steigenden Unternehmensgewinnen sowie Effizienzsteigerungen durch den Einsatz von KI. Dadurch werden die zum Teil ambitionierten Kursniveaus weitgehend gerechtfertigt. Nach den im Jahr 2025 gemachten Erfahrungen sind die weiterhin erratische Politik und die zunehmende Einflussnahme auf die Institutionen jenseits des Atlantiks sowie die weltweite Schuldenproblematik die grossen Unbekannten. Wie wir gesehen haben, kann dies die Märkte in beide Richtungen stark beeinflussen, und wir rechnen deshalb mit einer erhöhten Volatilität, die auch Trading-Möglichkeiten bietet. Diese Unsicherheit wird die Preise von Edelmetallen weiterhin positiv beeinflussen.

Die Zinsen werden in Europa auf historisch tiefen Niveaus verharren, und die Wirtschaft wird sich hoffentlich auch aufgrund der massiven öffentlichen Programme erholen. Die USA werden – sofern die Inflation auf dem leicht erhöhten und offenbar tolerierten Niveau von 2,5 bis 3 Prozent verharrt – die Zinsen weiter senken und damit die Finanzmärkte und die ohnehin robuste Wirtschaft unterstützen. Wir freuen uns auf 2026!

 

Nannette Hechler-Fayd’herbe,Head of Investment Strategy, Sustainability and Research, Lombard Odier

Bei 17 Prozent jährlicher Volatilität in globalen Aktienindizes müssen Aktienanleger jederzeit auf vorübergehende Rückgaben gefasst sein, speziell bei Märkten, die sehr hoch bewertet sind. Das ist zum Beispiel bei US- wie auch bei britischen Aktien der Fall. Wichtig ist jedoch, was die Grosswetterlage an Finanzmärkten und in der Wirtschaft für Aktien für 2026 aussagt. Erstens ist zwar mit unspektakulärem globalem Wachstum zu rechnen aufgrund zäherer Handelsströme, aber nicht mit einer Rezession. Zweitens hat die US Federal Reserve Aufholbedarf mit Zinssenkungen, was die Liquiditätszufuhr in Finanzanlagen generell weiter sichert. So sind Rückschläge grundsätzlich als Kaufgelegenheiten zu betrachten, und es kann gesamthaft für 2026 mit höheren Aktienpreisen gerechnet werden.

Am besten sieht es für Aktien aus Regionen und Sektoren aus, die 2025 hinterhergehinkt sind und keine überzogenen Bewertungen aufweisen, wie zum Beispiel Schweizer Aktien oder auch Aktien aus dem Gesundheitssektor. Auch für den japanischen Aktienmarkt und Aktien aus den Schwellenmärkten ist der Ausblick positiv. Aktien, die nachhaltig Dividenden ausschütten, erweisen sich ebenfalls immer als solide Anker im Anlageportfolio. Bei Obligationen ist mit geringen Gesamterträgen zu rechnen. Kreditrisikoaufschläge bei Unternehmensanleihen sind sehr tief, und bei Staatsanleihen dürften die Renditen, wenn überhaupt, nur gering ausfallen. Am besten sieht das Risiko-Rendite-Verhältnis weiter für Schwellenmarktanleihen aus. Auch Rohstoffe spielen – zusammen mit anderen alternativen Anlagen – eine Rolle in diversifizierten Portfolios. Rohstoffe dürften grundsätzlich von anhaltend hoher Nachfrage bei Produktionsengpässen profitieren.

 

Matthias Ramser,Chief Investment Officer,Reichmuth & Co Privatbankiers

Die Kehrseite des überdurchschnittlichen Börsenjahres 2025 sind hohe Bewertungen – vor allem in den USA – und eine zunehmende Konzentration auf wenige Technologieriesen.

Diese Dominanz prägt die Indizes und birgt Risiken, doch von einer klassischen Blase kann noch nicht gesprochen werden. Die führenden Unternehmen überzeugen mit hoher Profitabilität, soliden Bilanzen und starken Cashflows – ein klarer Unterschied zur Situation um die Jahrtausendwende.

Zwei strukturelle Trends werden die kommenden Jahre prägen: erstens die anhaltende Schwäche des US-Dollars, Teil einer neuen wirtschaftspolitischen Doktrin in Washington, die die globalen Kapitalströme verändert. Zweitens beschleunigt sich die Regionalisierung der Weltwirtschaft. Mit der faktischen Absage der USA an ihren Schutzschirm über Europa rückt die Eigenständigkeit der Regionen in den Vordergrund. Der heute über 60 Prozent betragende US-Anteil im Weltaktienindex dürfte allmählich sinken – regionale Diversifikation gewinnt an Bedeutung. Das Umfeld bleibt insgesamt aktienfreundlich. Die Weltkonjunktur zeigt sich robust, die Fiskalpolitik bleibt expansiv, und der globale Zinssenkungszyklus ist noch nicht abgeschlossen. In den USA stützen Investitionen in künstliche Intelligenz und wirtschaftsfreundliche Politik das Wachstum. Europa profitiert von hohen Ausgaben für Energie, Verteidigung und Infrastruktur. In Asien entstehen neue Handelsrouten, und China übernimmt in vielen Bereichen die Technologieführerschaft. Wer diese lokalen Treiber gezielt adressiert und sich der regelmässigen Korrekturen bewusst ist, kann diese als Chance begreifen – und auch in einer multipolaren Welt erfolgreich investieren.

 

Heinz Zimmermann,Ordinarius für Finanzmarkttheorie, Universität Basel

Der US-Aktienmarkt ist sehr hoch bewertet, weist jedoch eine Sektorenstruktur auf, die aus europäischer Sicht trotz Währungseinfluss als sehr attraktiv erscheint. Die hohe Bewertung erkennt man nicht primär im Kurs-Gewinn-Verhältnis, das für den Gesamtmarkt mit dem Faktor 22 und bezüglich der Gewinnerwartungen hoch, aber nicht ausserordentlich ausfällt. Auffallend sind jedoch, insbesondere für den Wachstumssektor, die markant höheren Multiples in Bezug auf die tatsächlichen Gewinne: Offenbar liegen die Erwartungen erheblich über den erreichten Resultaten.

Übersehen wird zudem, dass der Börsenwert des Gesamtmarkts mit dem Faktor 5 über dem Buchwert liegt. Das würde eine dauerhafte Eigenkapitalrendite von über 20 Prozent, im Wachstumssektor von über 30 Prozent erfordern, um die Bewertungen zu rechtfertigen. Langfristige Investoren dürfen sich nur durch dieses Bild nicht beunruhigen lassen: Die herben Verluste nach dem Platzen der Internetblase wären ohne zusätzliche Ereignisse wie die anschliessende Finanzkrise schon nach wenigen Jahren Geschichte gewesen.

Ähnlich ist es heute: Die Gefahr besteht nicht alleine in den für die Blase verantwortlichen euphorischen Gewinnerwartungen, sondern in der Fragilität der Bewertungen infolge Zinssenkungen und historisch tiefen Risiko- und Bonitätsprämien, die die hohen Bewertungen befeuern und bei einer Trendwende den Markteinbruch beschleunigen. Wer dieses Risiko meiden möchte, sollte US-Aktien schrittweise abbauen oder sich auf defensiv bewertete Titel fokussieren. Dies geht aber nicht mit passiven Anlagen, sondern erfordert eine aktive Titelselektion.

 

Thomas Della Casa, Leiter Vermögensverwaltung & CIO, Helvetische Bank

TINA feiert ein Comeback. Die Abkürzung steht für «There Is No Alternative». In den letzten Jahren verschwand TINA aus der öffentlichen Wahrnehmung, da steigende Zinsen seit September 2022 zum ersten Mal seit Jahren den Anlegern wieder positive Realrenditen und somit eine Alternative boten. Die Rückkehr von TINA treibt die Preise von Vermögenswerten wie Aktien, Immobilien und Edelmetallen in die Höhe. Die Risiken sind für alle sichtbar und hinlänglich bekannt: Zölle, Konsumschwäche, Deglobalisierung, geopolitische Spannungen und eben fortschreitende Geldentwertung.

Die Kaufkraft pro Einheit Geld nimmt stetig ab. Sachwerte wie Aktien oder Gold hingegen behalten ihre Kaufkraft. Gleichzeitig geht der Anstieg der Staatsschulden überall weiter. Die Staatsverschuldung in den USA wird im laufenden Jahr nochmals um über zwei Billionen Dollar zunehmen; in Deutschland sind staatliche Ausgaben von Hunderten Milliarden Euros für Infrastrukturprojekte sowie weitere erhebliche Ausgaben in die Rüstung geplant. Das sind zusätzliche Gelder, die in den Wirtschaftskreislauf kommen und gewisse Sektoren stützen werden.

Gleichzeitig besteht ein grosser politischer Druck, die Zinsen zu senken und das System mit Geld zu versorgen. Kombiniert mit tendenziell sinkenden Zinsen wirkt das unterstützend und positiv für die Aktienbörsen. Kurzfristige Korrekturen sind dabei aber immer möglich, wie wir im April gesehen haben. Am Ende des Tages führt langfristig nichts an Aktien von qualitativ hochstehenden Unternehmen vorbei. Wir bleiben für Aktien daher grundsätzlich positiv eingestellt. Auch für Gold sind wir bullisch. Unser Kursziel von 4000 Dollar pro Unze haben wir aktuell erreicht und gehen von einem weiteren Anstieg auf 5000 Dollar bis Ende 2026 aus.

 

Patrick Brechbühl,Head Equities & Alternative Investments, Swiss Life Asset Managers

Die Rally an den globalen Aktienmärkten dürfte sich 2026 fortsetzen. Das monetäre Umfeld bleibt unterstützend: Historisch betrachtet, entwickeln sich Aktienmärkte in Zinssenkungszyklen in der Regel positiv, sofern keine Rezession eintritt. Ein solches Rezessionsszenario erwarten wir aktuell nicht. Lockerere finanzielle Rahmenbedingungen und fiskalische Impulse überlagern zudem die Auswirkungen der US-Handelspolitik. Auch die Gewinnentwicklung spricht für eine Fortsetzung der Rally: In den USA werden für das nächste Jahr zweistellige Gewinnzuwächse erwartet. Europa und die Schweiz liegen nur leicht darunter.

Nebst den sehr hohen Bewertungen in den USA zeigt sich eine starke Konzentration auf wenige Titel, was ein strukturelles Risiko darstellt, das nicht unterschätzt werden sollte. Ausserhalb der USA – etwa in Europa oder in den Schwellenländern – hingegen befinden sich Bewertungen auf fairen Niveaus. Generell sind diese kein verlässliches Timing-Instrument und allein kein Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Korrektur. Hohe Bewertungen deuten aber auf tiefere langfristige Renditeerwartungen hin. Aktuell beobachten wir einige Entwicklungen besonders aufmerksam: So könnte ein Bruch im KI-Narrativ entstehen, falls sich zeigen sollte, dass die erwarteten Renditen auf die umfangreichen Investitionen grosser US-Tech-Unternehmen hinter den Prognosen zurückbleiben – ähnlich wie in der Spätphase der Dotcom-Ära. Auch Anzeichen von Übermut im Markt, etwa bei gehebelten ETF-Flows, erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Unser Fazit: Die Rally geht weiter, aber die Luft wird dünner.

 

Stefan Eppenberger,Chief Investment Strategist, Vontobel

Die YTD-Performance globaler Indizes zeigt eine starke Polarisierung, vor allem durch US- und internationale Tech-Giganten mit KI-Bezug. Der MSCI EM Index liegt in USD fast 30 Prozent vorn und übertrifft sein Hoch von 2021, wobei rund ein Dutzend asiatischer Tech-Firmen die Hälfte der Gewinne liefern – ähnlich wie in den USA, wo weniger als zehn Tech-/KI-Titel knapp 30 Prozent der Marktkapitalisierung und rund 60 Prozent der YTD-Renditen ausmachen. Diese Firmen handeln mit 2026er KUV von 14x – bis zu fünfmal über dem S&P 500 – und erinnern an die Dotcom-Blase 2000.

Hat die Rally 2026 Beine? Bei Vontobel sagen wir ja. Seit September 2022 taktisch übergewichtet, wissen wir: Allein auf Bewertungen zu schauen, führt selten zum Erfolg. Ende 2024 wirkten Multiples hoch, doch neun Monate später übertrafen Aktien erneut die Märkte. Unser Ansatz kombiniert Makro, Fundamentales und Faktoren. Unterstützend wirken: geldpolitische Lockerung, fiskalische Infrastrukturmassnahmen, Steuersenkungen, Deregulierung, steigende Produktivität, niedrige Energiepreise, moderater Dollar, geringe Verschuldung.

Tech-Unternehmen liefern trotz hoher CAPEX starke Profitabilität und Cashflow. Zusammen stützen diese Faktoren resilienten Gewinn und mögliche Upgrades bis 2026/27. KI-Bubble-Risiken bestehen, doch anders als 2000 generieren heutige US-Tech-/KI-Firmen rund 40 Prozent des Profits – eine deutlich solidere Basis.

 

Florian Schwab ist Publishing Director der Nachrichtenplattform finews.ch.

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Date de début: 01.04.2026
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