Als «erweiterte Werkbank» bezeichnet Tarcis Berberat die Firma mit dem diskreten Namen J. Eberle AG. Der Jurassier Berberat ist Vice President bei Renault Trucks und zuständig für die Schweiz, Österreich sowie die Länder des Westbalkans; rund zehn Märkte beliefert der erfahrene Lastwagenfachmann, der seit 21 Jahren für Renault Trucks arbeitet. Und seine Werkbank ist ein Sankt Galler KMU, das seit dreissig Jahren Renault-Trucks verkauft und sich ausserdem zu einem kenntnisreichen Spezialisten für Umbauten und Sonderwünsche entwickelt hat. «Die machen alles», sagt Berberat über die J. Eberle AG, die sich nicht zuletzt wegen ihres Standorts im Rheintal mit LKW-Modifizierungen auseinandersetzen musste.
Viele Kunden kommen aus Liechtenstein oder auch aus dem Kanton Graubünden, wo die Dörfer klein, die Kurvenradien und die Strassen eng sind, so dass etwa ein kleinerer Wendekreis, der mit kürzeren Radständen erreicht werden kann, eine verbreitete Anforderung darstellen kann.
Für Berberat ist die Zusammenarbeit mit der Familie Eberle ein Glücksfall: «Einen solchen Partner zu haben, ist für uns wunderbar. So können wir unsere Fahrzeuge mit einem Swiss Finish versehen, der bei Modellen ab Werk verständlicherweise nicht zu leisten ist.» Und gerade elektrische Lastwagen, auf die sich die J. Eberle AG spezialisiert hat, seien besonders anspruchsvoll: Elektrische Schaltstellen im Hochvoltsystem oder gar Akkupakete, die versetzt werden müssen, seien eine technische Herausforderung, die Erfahrung und Know-how bedingen.
Rund 400 Lastwagen werden bei Renault Trucks in der Schweiz jährlich verkauft, rund 15 Prozent davon werden nach Kundenanforderungen individuell umgebaut. Das ist im internationalen Vergleich viel. Das jüngste Projekt von Renault Trucks und der J. Eberle AG wurde für die Firma Elrec AG aus dem liechtensteinischen Eschen umgesetzt. Die Spezialistin für Recycling mit rund achtzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hatte Bedarf für einen Renault Trucks E-Tech C P8x4*4 Tridem Road mit Hakengerät, der die Flotte vollelektrischer Nutzfahrzeuge der Elrec AG erweitert und Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens ist.
LKW-Individualisierung
Gerade im Bereich Spezialprojekte zeigt sich der Wert von fundiertem Know-how und Flexibilität. «Dieses Fahrzeug wurde individuell auf die Bedürfnisse der Elrec AG zugeschnitten», sagt Janin Eberle, der für technische Projekte und E-Mobility im Familienbetrieb verantwortlich ist. Durch das Hakengerät lässt sich der Lastwagen mit vier Achsen optimal für den Containertransport in den Bereichen Recycling, Metall, Holz und Abfall einsetzen. Dafür musste unter anderem der Radstand von 5200 auf 3900 Millimeter verkürzt werden. Der Hochvolt-Luftkompressor wurde umplatziert und Druckluftzentrale sowie -trockner ins Innere des Chassis versetzt – ein Meisterstück der LKW-Individualisierung.
Die Wahl des Antriebs ist dabei kein Zufall. Elrec setzt auf erneuerbare Energien und produziert rund 40 Prozent des betriebseigenen Strombedarfs mit Fotovoltaikanlagen selber. Den Rest deckt man mit Wasserkraft und Ökostrom. Mit dem Renault Trucks E-Tech, der in verschiedenen Ausführungen bei Elrec im Einsatz ist, habe man ein Fahrzeug erworben, das höchste technische Ansprüche erfülle und gleichzeitig «einen klaren Schritt in Richtung nachhaltige Mobilität markiert», sagt Elrec-Geschäftsführer Manuel Elkuch.
Europäischer Rekord
Die Elektrolastwagen von Renault Trucks haben in der Praxis längst den Beweis erbracht, dass Dekarbonisierung im Schwerverkehr funktioniert und wirtschaftlich Sinn macht. So hat ein Renault Trucks E-Tech T der Frauenfelder Logistik-Gruppe Hugelshofer AG innerhalb von 24 Stunden 1007 Kilometer zurückgelegt (s. Kasten unten). «Mit der richtigen Ladeinfrastruktur und einer geschickten Tourenplanung ist das möglich», sagt Tarcis Berberat von Renault Trucks.
Der Renault Trucks E-Tech C P8x4*4 Tridem Road der Firma Elrec wird von drei Elektromotoren angetrieben, die insgesamt 666 PS Leistung mobilisieren. Die Batteriekapazität beträgt 540 kWh und ermöglicht eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern, was beispielsweise für den regionalen Einsatz im Rheintal absolut praxistauglich ist.