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Wind, Whisky, Wasserlöcher

Wind, Whisky, Wasserlöcher

Am höchsten, am schwierigsten, am feuchtesten, spätesten, windigsten, schnellsten, schmalsten, heissesten, wässrigsten, sandigsten . . . Zehn Golf-Destinationen in Europa, wo man unter extremen, also amüsanten Bedingungen spielt.

Der höchste Spass: Savoyen

Wer schon einmal den Golfplatz in Crans-Montana gespielt hat, der kennt die Erfahrung des Höhenrauschs. Weil der Platz auf 1500 Metern über Meer liegt, sind in der dünneren Luft die Abschläge 10 Prozent länger als sonst. Die Profis am European Masters lieben das, weil sie dann statt des riskanten Drivers zu einem kontrollierten Holz greifen können.

Extrem generös angelegt: Das Verdura Resort mit seinen drei Golfplätzen im Süden Siziliens wird von Rocco Forte Hotels betrieben.

Noch besser ist es in Tignes in Savoyen, gleich neben Val-d’Isère. Hier befindet sich auf 2100 Metern der höchstgelegene 18-Loch-Platz Europas, und hier sind die Schläge sogar bis zu 20 Prozent länger als normal. Es gibt darum einige Par-4-Bahnen, bei denen auch normale Handicapper eine gute Chance haben, das Green mit dem ersten Schlag zu erreichen. Gelingt das nicht, gibt es eine treffliche Alternative: In der Mitte des Platzes liegt ein knallblauer Bergsee. Den verfehlt man sicher nicht, ob man will oder nicht.

 

Der schwierigste Spass: Bratislava

Der Black River Golf Course hat das richtige Wort im Namen: black. Der Platz ausserhalb der slowakischen Hauptstadt Bratislava hat ein Slope-Rating von 155 und ist damit der schwierigste Platz Europas. Ein klassischer schweizerischer Platz wie Bad Ragaz liegt beim Slope unter 130, ist also ein Kinderspiel dagegen.

Natürlich ist der Black River eine Attraktion für Golftouristen, die versuchen wollen, ein Monster zu bezwingen. Auch gute Spieler bekommen hier eine Vorgabe von bis zu acht Schlägen, aber das nützt meistens nicht allzu viel. Golfarchitekt Jaroslav Kachlík hat hier alles ausgepackt, was einen Golfer in die Verzweiflung treiben kann: Wasser am falschen Ort, Gehölz am falschen Ort, Bunker am falschen Ort, Greens am falschen Ort, überhaupt alles am falschen Ort. Es ist ein Freudenfest für Masochisten.

 

Der feuchteste Spass: Glasgow

Für viele Golfer gibt es nichts Schöneres, als in Schottland unter schottischen Bedingungen zu spielen. Schottische Bedingungen sind dieser feine Nieselregen, den der Wind von der Küste schräg über den Golfplatz treibt. Es entsteht dann jenes grün-graue Landschaftsgemälde, das Golf in Schottland so unvergleichlich macht. ›››

Sicherster Wert für diese grossartig-feuchte Kulisse ist Glasgow. Mit 170 Regentagen im Jahr ist die Hafenstadt die regenreichste Stadt in Grossbritannien, und das will etwas heissen. Die achtzehn Golfplätze rund um Glasgow sind ein Paradies für die Golfgemeinde. Besonders zu empfehlen ist der Gailes Links Course, gegründet 1787. Das Paradies endet jedoch nicht am 18. Loch: Die Golfplätze von Glasgow sind renommiert für ihre Klubhäuser und deren unglaublich reichbestückten Whisky-Bars. Whisky nach der Runde ist zwingend in Schottland, weil auf die äussere Feuchte stets die innere Feuchte zu folgen hat.

 

Der späteste Spass: Island

Der Golfplatz von Akureyri liegt im Norden von Island, auf exakt 65° 49’ nördlicher Breite. Das ist nahe am Polarkreis. Deshalb geht hier ab Ende Mai die Sonne nie mehr unter. Am schönsten spielt sich der Platz in einer warmen Nacht rund um die Sommersonnenwende. Es ist grossartig, wenn man den Ball in dieses Gold der Mitternachtssonne haut.

Der «Golfklúbbur Akureyrar», so auf Isländisch, hat unter Golfern einen klangvollen Ruf. Es ist der nördlichste 18-Loch-Kurs unseres Planeten. Gegründet wurde er schon 1935. Seitdem spielen sie hier Tag und Nacht, und das Klubhaus hat im Sommer natürlich die ganze Nacht offen.

Wer nicht in den Norden der Insel fahren will, der kann auch in der Hauptstadt Reykjavik starten. Man beginnt im Fischmarkt bei Hummerzangen, kurvt dann durch die Dutzenden von Bars der Innenstadt und nüchtert nach Mitternacht auf einem der vielen Golfplätze bei Reykjavik aus.

 

Der windigste Spass: Provence

In der Provence sagen sie, der Mistral dauere immer drei, sechs oder neun Tage. Meistens hält er sich knapp eine Woche. Für Golfspieler ist der Wind, der im Normalfall um die 80 Stundenkilometer wehen kann, ein ganz besonderes Vergnügen. Mit dem Wind im Rücken bringt auch ein mittelmässiger Spieler den Ball 280 Meter weit. Gegen den Mistral geschlagen, bleibt derselbe Ball hingegen nach 130 Metern mausetot am Boden liegen. Am besten spielt man also nur die neun Löcher, die Rückenwind haben. Aber wo?

Es gibt Dutzende von guten Plätzen in Südfrankreich. Viele allerdings, wie der Prestigeplatz von Royal Mougins, sind mit Greenfees von über 150 Franken zu teuer, weil sie nicht viel mehr bieten als der Rest des Feldes. Favoriten von vielen Golfern sind hübsche Kurse wie Golf des Baux de Provence und Golf du Luberon, wo man mit der Hälfte der Kosten abschlägt. Aber auf den Mistral ist auch hier Verlass.

Der Mistral hat eine zusätzliche positive Eigenschaft. Er weht von November bis März. Das ist die Zeit, die ein Golfer ohnehin ungern in der kalten Schweiz verbringt, sondern lieber Richtung Côte d’ Azur zieht.

 

Der schnellste Spass: Schwarzwald

Der «Öschberghof» in Donaueschingen, knapp ausserhalb der Schweiz, hat einen glänzenden Ruf bei den Haudraufs der Golfergilde. Hier kann man Vollgas geben. Die Fairways sind so breit, dass auch der grösste Hammer, der nach links oder rechts wegzieht, noch auf der Spielbahn und nicht im Gebüsch landet. Und wer das trotzdem noch schafft, der kann gleich hinüber in die beliebte Golf Academy der Anlage dislozieren. Die 45-Loch-Adresse am Rand des Schwarzwalds bietet Vollgas aber auch nach dem 18. Grün.

Wer sein Bag ins Hotel stellt, kann gleich zum nächsten Spielzug ansetzen. Vor dem Eingang stehen die neusten Mercedes-Modelle bereit, die Gäste für eine flotte Schwarzwald-Runde testen können – passend zur Mercedes Trophy, die dort Station macht. Man kann zum Beispiel die luxuriöse S-Klasse oder die spassige vollelektrische G-Klasse Probe fahren, auf schnellem Asphalt, aber auch mal auf Nebenstrassen, Feldwegen und beim spektakulären G-Turn um die eigene Achse.

Flotte Abschläge, dazu eine flotte Mercedes-Probefahrt, die im Aufenthalt quasi eingebaut ist – im «Öschberghof» erlebt man den doppelten Drive.

 

Der schmalste Spass: Wörthersee

Der Golfklub von Dellach, gelegen über dem eleganten Wörthersee, wurde im Jahr 1927 gegründet. Damals spielte man mit Hickory-Hölzern und mit Bällen aus getrocknetem Balata-Gummi. Die Abschläge eines durchschnittlichen Spielers waren dadurch fünfzig Meter kürzer als bei der Reichweite dieser heutigen Karbon-Titan-Werkzeuge und der heutigen Golfbälle aus Polybutadien und Urethan.

Dellach ist ein Zeuge der guten alten Zeit. Die Fairways sind häufig eng und schmal, also genau das Richtige für einen Golfspieler, der Freude an präzisem und strategischem Spiel hat. Oder andersherum: Wenn der Mann und die Frau gemeinsam in Dellach spielen, gewinnt sicher die Dame des Hauses. Frauen sind ja, zum Verdruss der Männer, fast immer gerade auf dem Fairway und fast nie seitwärts im Gehölz. Insofern empfiehlt sich auf den engen Bahnen von Dellach ein frauenfreundlicher Paarurlaub am Wörthersee.

 

Der heisseste Spass: Sizilien

Die höchste Temperatur, die es jemals in Europa gab, wurde am 11. August 2021 registriert: In der Nähe von Syrakus auf Sizilien waren es 48,8 Grad. Gut so weit, aber man muss ja ins Verdura Resort nicht unbedingt am 11. August hinfahren. Und selbst dann ist es hier im Normalfall nur um die 35 Grad, mit garantiertem Wind vom Meer, und was der Wind nicht kühlt, das kühlt das Birra Moretti.

Das Verdura Resort im Süden Siziliens ist vermutlich das exzellenteste Golf-Resort, das Italiens ohnehin exzellentes Golf-Angebot zu liefern hat. Es gibt zwei grandiose 18-Loch-Plätze sowie einen 9-Loch-Kurzplatz, der dann ideal ist, wenn die Schwiegermutter unbedingt auch mitkommen will. Wenn man die Schwiegermutter dann auf dem Kinderspielplatz deponiert hat, dann hat man zwei Plätze vor sich, die extrem generös angelegt sind. Und wenn man nach der Runde in die vier Bars und sechs Restaurants des Resorts zurückkehrt, ist auch die Schwiegermutter schnell wieder eingefangen.

 

Der wässrigste Spass: Salzkammergut

Wenn man auf den vier letzten Löchern des Golfclubs am Mondsee nur vier Bälle im Wasser versenkt, dann hat man wirklich hervorragend gespielt. Hervorragend`? Das ist nur leicht übertrieben formuliert, denn der Mondsee-Platz nahe Salzburg ist schon ein wunderbares Beispiel origineller Golfarchitektur.

«Drachenseen» nennen sie hier die omnipräsenten Teiche, die links und rechts und hinten und vorne die Golfer ständig und bedrohlich umfluten. Schon vor den berüchtigten letzten vier fühlt man sich wie bei einem Schwimmkurs. Im Grunde handelt es sich am Mondsee nicht um einen Golfplatz, sondern um ein umfassendes Wasserhindernis, dem sie achtzehn Greens zugefügt haben, damit das Ganze als Golfplatz durchgeht. Immerhin: Wenn man dann dauernd im Wasser landet, dann haben sie hier bei Salzburg einen heimischen Trost für danach bereit. Sie nennen es Zwetschgenwasser.

 

Der sandigste Spass: Nordirland

Das grüne Nordirland ist unter Golfern nicht unbedingt als sandige Gegend bekannt, das gilt eher für Dubai. Aber Nordirland kann dennoch einen Sandrekord vorweisen. Den hält der fabulöse Royal County Club südlich von Belfast. Er zählt 130 Sandbunker und ist damit der Platz mit den meisten Sandhindernissen dieser Welt. Allein am letzten Loch warten 24 Bunker darauf, den Ball des herannahenden Golfers zu verschlucken. Die Variationsbreite der Dinger ist entsprechend gross. Es gibt diese teuflischen Pot-Bunker, tiefe Löcher, aus denen es kein Entrinnen gibt. Dann gibt es diese mit Schilfgras überwachsenen Bunker, die man erst sieht, wenn man rettungslos drin liegt. Und dann gibt es diese besonders tückischen Bunker, die mit Stein ausgemauert sind.

Den Platzrekord von Royal County Down hält mit 66 Schlägen Jimmy Bruen, Irlands erstes Golf-Idol. Der Platzrekord stammt aus dem Jahr 1939. Seitdem ist keiner mehr ungeschoren an diesen 130 Bunkern vorbeigekommen.

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